Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

420 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
der Massen, des Volkes, der Nation empfunden zu haben 
scheine. 
Wie man sich indes auch zu diesen Erwägungen stellen 
mag, eins war sicher: diese Art innerer Politik drängte auf 
Machtentfaltung nach außen, mußte sich binnen kurzem direkt 
in äußere Politik umsetzen: und darum notwendigerweise, unter 
den gegebenen deutschen Verhältnissen, zu einer gewaltsamen 
Lösung der Einheitsfrage führen. 
Der Zufall wollte dabei, daß diese allgemeine Tendenz 
sich im Bereiche der politischen Fragen des äußersten Nordens, 
innerhalb des schwierigen schleswig-holsteinschen Problems, zu 
verwirklichen begann. 
Die Entwicklung der schleswig-holsteinschen Angelegenheiten 
— E 
Jetzt, wo diese Frage entscheidend wird für das Verhältnis 
Osterreichs und Preußens und damit für die Geschicke Deutsch— 
lands, ist es nötig, auf ihre rechtliche Seite noch einmal ge— 
nauer zurückzukommen?. 
Zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark bestand seit 
1460 Personalunion, das heißt der König von Dänemark war 
zugleich Herzog von Holstein und von Schleswig. Dabei gehörte 
Holstein seit 1815 zugleich dem Deutschen Bunde an; Schleswig 
dagegen war nicht im Bunde, obgleich mit Holstein verbunden. 
Die Verhältnisse waren also eigener Art. Rechtlich völlig 
klar, waren sie aber von dänischer Seite tatsächlich verdunkelt 
durch das an sich sehr natürliche Bestreben der dänischen Könige, 
die Herzogtümer langsam mit dem dänischen Königreiche zu 
verschmelzen. So war zum Beispiel der gemeinsame Landtag der 
Herzogtümer seit 1712 nicht mehr berufen worden. Die Herzog— 
tümer hatten dagegen nicht protestiert, da sie sich sonst gerecht 
behandelt fühlten; und diese Behandlung war wiederum sehr 
begreiflich, da um diese Zeit die dänische Kultur in mancher 
Hinsicht fast noch eine Dependenz nur der deutschen war, die von 
1Vgl. oben S. 131. 
2 S. dazu schon S. 95f.
	        
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