Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

4388 Aünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
Landes würde, obgleich Napoleon die Schöpfung eines neuen 
deutschen Kleinstaates nur beklagen könne; fiele die Abstimmung 
zugunsten Preußens aus, so werde Napoleon auf der Konferenz 
diesem Ergebnisse zustimmen. 
Am 25. April, unter dem Eindruck der preußischen 
Waffentaten vor Düppel, wurde die Konferenz eröffnet. Man 
trat zunächst in Waffenstillstandsverhandlungen ein, und diese 
endeten am 12. Mai mit einem leidlichen Ergebnis, am selben 
Tage, an dem sich östlich von Helgoland noch die österreichische 
Marine unter Tegetthoff tapfer mit den Dänen herumschlug. 
Als man aber in das eigentliche Gebiet der Friedens⸗ 
verhandlungen eintrat, zeigten sich sofort die größten Schwierig— 
feiten. Die Dänen wollten von Nachgeben nichts wissen; 
andererseits wurde die deutsche Forderung auf Trennung der 
Herzogtümer von Dänemark durch die lebhafteste nationale Be— 
wegung in Deutschland unterstürtzt. Namentlich regte sich der 
Frankfurter Dreißigerausschuß des Nationalvereins und des 
Reformvereins; er brachte seine Wünsche, feierlich formuliert und 
unter anderem durch dreizehnhundertundfünfzig Unterschriften 
deutscher Volksvertreter bekräftigt, bei dem Vertreter des Bundes, 
Herrn von Beust, zur Geltung. In Preußen ferner ging eine 
Adresse an den König um mit der Bitte, beide Herzogtümer 
unbedingt von Dänemark zu trennen; sie bedeckte sich mit dreißig⸗ 
tausend Unterschriften. Die mächtigste Bewegung aber herrschte 
doch in Holstein und Schleswig selbst; Volksversammlung folgte 
auf Volksversammlung, und Bismarck war das eben recht: „Die 
ganze Meute wollen wir läuten lassen.“ 
Das erste, was daraufhin Bismarck, in dessen Schlepptau 
die österreichische Politik so gut wie gänzlich geraten war, auf 
der Konferenz begehrte, war die volle Unabhängigkeit der 
Herzogtümer. Die Konferenz war bei dieser Forderung erstaunt. 
Sie wünschte mehr zu wissen: welches denn das Schicksal der 
Herzogtümer sein werde? Aber hierüber schwiegen sich die 
Vertreter Osterreichs und Preußens einfach aus, namentlich 
auch über die Frage des künftigen Souveräns des Landes. Indes 
die Dänen überhoben sie der damit für sie eintretenden, im
	        
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