Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 2)

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Große Magnaten unterwerfen sich ihm 
Anstatt sich in Vanderbilts Vertrauen einschleichen zu 
müssen, zwang er jenen hochmütigen Magnaten, sich mit 
ihm zu verständigen. Diese Tatsache bezeugte Morgan 
selbst in dem Prozeß, der aus Vanderbilts Süd-Penn- 
sylvania-Eisenbahnprojekt entstand — einem Unternehmen, 
das schon früher beschrieben wurde. Morgan hatte aller- 
dings als Vanderbilts finanzieller Vertreter gehandelt, aber 
er hatte auch bedeutenden Anteil an der Pennsylvania- 
Eisenbahn, und sein Bankhaus vertrat große ausländische 
Besitzansprüche an jene Linie. Vor allem war er scharf 
dahinter, die Interessen J. Pierpont Morgans zu wahren. 
In einem Verhör, am 13. Dezember 1885 vor dem Unter- 
suchungsbeamten John H. Weiß im Bundesgericht zu 
Philadelphia, erzählte er, daß er, als er im Juni 1885 aus 
Europa zurückkehrte, „zu der Überzeugung gekommen war, 
es müsse etwas geschehen, um eine größere Harmonie in 
die Hauptlinien zu bringen“, und er fügte hinzu, daß er 
geglaubt habe, „man könne auf Mr. Vanderbilt einen ge- 
nügenden Druck ausüben, um ihn zum Verkauf der Süd- 
Pennsylvania-Linie zu veranlassen“. Über die besondere 
Art dieses „Druckes“ wurde keine Erklärung abgegeben, 
aber diejenigen, die mit der ungeheuren zwingenden Macht 
der Pennsylvania-Eisenbahn, mit der Macht von Morgans 
Bank und den mit ihm in Beziehung stehenden Banken 
vertraut waren, waren über seine Bedeutung nicht im Zwei- 
fel. Der Friedensvertrag zwischen den kriegführenden 
Magnaten wurde schließlich an Bord von Morgans Jacht 
abgeschlossen. Worin bestand Morgans Anteil? Um seine 
eigenen Worte zu gebrauchen, er „kaufte von der Süd- 
Pennsylvania und verkaufte an die Pennsylvania‘, Welche 
Belohnungen er als Vermittler erhielt, wurde nicht öffent- 
lich bekannt gemacht; wir können vermuten, daß seine 
Rechnung nicht gering war. Dieser Frieden, wie alle solche 
Kontrakte, wurde nur geschlossen, um gebrochen zu werden ; 
die Reading-Eisenbahn, die nach dem Vertrage für gewisses 
Eigentum entschädigt werden sollte, erhob die Beschuldi- 
gung, daß sie betrogen worden sei; daraus entstand der Prozeß.
	        
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