Einige (z. B. Fitch in „Die Stahlarbeiter‘“) meinen nun,
Frick sei allein schuld; er habe den Streik absichtlich an-
gezettelt, um die Arbeitervereinigung aus Homestead zu
vertreiben. Aber Carnegies Mitschuld geht deutlich hervor
aus einer Anzahl Briefe von ihm aus dem Jahre 1892, die
sein früherer Privatsekretär Bridge publiziert Hat. In einem
dieser Briefe, am 4. April 1892 aus New York geschrieben,
weist er Frick an, die Homesteader Werke nach dem 30. Juni
nur noch mit nichtorganisierten Arbeitern zu betreiben,
Ein anderer Brief, den er kurze Zeit später vom Coworth-
Park in Berks (England) schrieb, befahl ihm, Konferenzen mit
den Arbeitervereinigungen zu verweigern ; wenn die Gewerk-
schaft den von der Gesellschaft angebotenen Lohntarif aus-
schlage, so solle die Anweisung, nur noch nichtorganisierte
Arbeiter zu beschäftigen, in den Homesteader Werken am
25. Juni angeschlagen werden. Und sie wurde angeschlagen.
Frick handelte offen, während Carnegie ihn im Hinter-
grunde antrieb; und während Frick zu Hause kommandieren
mußte und dafür verwundet wurde, leistete Carnegie sich
sine Ferienfahrt in England, weit vom Schuß.
Unfälle in Carnegies Werken
Im Grunde genommen war das Homesteader Blutbad
das geringste von allen, die ohne Unterlaß in den Carnegie-
Werken stattgefunden hatten; es hielt die öffentliche Auf-
merksamkeit nur seiner offenen und dramatischen Natur
wegen in Bann, da es ganz wie eine lokale Revolution aus-
zah. In bezug auf Opfer aber war es nicht zu vergleichen
mit dem Gemetzel, das den alltäglichen Betrieb in den
Werken zur Erzielung von Profiten für Carnegie und seine
Kompagnons begleitete. Die Zahl der sogenannten „in-
dustriellen Unfälle‘ in den Carnegie-Werken, welche Ar-
beitsunfähigkeit und oft den Tod zur Folge hatten, betrug
häufig sechzig oder siebzig im Jahre. Z. B. ereigneten sich
in dem Jahre vom 3. Dezember 1891 bis zum 26. November
1892 nach dem Bericht des Fabrikinspektors für Pennsyl-
vanien 61 Unfälle in Carnegies Pittsburger Werken, von
denen viele tödlich verliefen.