Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

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Mühlen, Korn-Elevatoren, Schlachthöfe — eine bunte 
Menge von Fabrik- und Handelsunternehmungen tat sich 
auf und zog Scharen von Arbeitern mit ihren Familien 
herbei. Je größer aber der Zustrom von Arbeitern war, um 
so mehr vergrößerte sich der.Wert des Landes. Die größte 
Übervölkerung mußte unweigerlich daraus entstehen. 
Um 1870 klomm der Preis für einen Viertelmorgen im 
Herzen der Stadt auf 120 000 Dollar, und 1880 auf 130 000 
Dollar empor. 
Ein Viertelmorgen eine Million wert 
Während des nächsten Jahrzehnts — eines Jahrzehnts 
voll bitterer Not für die arbeitende Bevölkerung der Ver- 
einigten Staaten — schoß der Preis zu 900 000 Dollar empor. 
Um 1894 — einem Krisenjahr, in dem Millionen Menschen 
arbeitslos und dem entsetzlichsten Elend preisgegeben 
waren — erreichte ein Viertelmorgen den gigantischen 
Wert von 1ı'/, Million Dollar (achter Jahresbericht des 
Arbeitsbüros für Illinois), Zu derselben Zeit bettelten 
große Scharen von Arbeitern, deren Klasse diese Werte in 
so reichem Maße geschaffen hatte, vergeblich um Arbeit, 
und zu Zehntausenden wurden sie in Chicago auf die Straße 
gesetzt, weil sie für ihre elenden Wohnlöcher die Miete 
nicht zahlen konnten. 
Dadurch, daß jemand, als Chicago noch in den Windeln 
lag, ein paar hundert oder ein paar tausend Dollar gegen 
ein Stück Papier umgetauscht hatte, das man Urkunde be- 
namst, wurde er nach Verlauf einer Spanne Zeit ein Millio- 
när. Es war gleich, wie und woher er das Geld zum Ankauf 
des Papierfetzens genommen hatte: ob er es erschwindelt, 
ob er’s gestohlen, geerbt oder auf ehrliche Weise erworben 
hatte — solange das Papier nicht gefälscht war, war das 
Recht auf seiner Seite. Wenn er das Land einmal hatte, so 
brauchte er nichts weiter zu tun, als es festzuhalten, was 
er ebensogut tun konnte, ob er nun in Chicago war oder in 
den Tiefen Kamtschatkas begraben. Wenn er wollte, konnte 
er sich andauernd betrinken, konnte spielen oder faulenzen 
— er brauchte keinen Schlag Arbeit zu tun. Nichtsdesto-
	        
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