Das Phänomen. der Konsolidierung von Zahlungsbilanzsalden. 23
Ware innerlich wegen der Chance, daß nach Erreichung des Punktes 3 der
Kurs umschlägt und zu steigen beginnt, sodaß beim „Aussteigen“ aus dem Engage-
ment mit einem Extranutzen aus Kursgewinn zu rechnen ist. Daß und warum
es zum Kursumschwung bei Punkt 3 kommt, wird später dargelegt. Dieser zusätz-
liche Wert muß die Nachfrage nach der an sich bereits normalen Ware vergrößern,
was bremsend auf den. Kursfall — und in der Konsequenz bremsend auf die Kurs-
steigerung in Berlin — wirkt. Diese Bremswirkung tritt ein, ohne daß in
Berlin der Zins steigt. Das ist deshalb wichtig, weil damit eine Brems-
wirkung gegeben ist, welche des Anziehens der Diskontschraube in Deutschland
entraten kann. Die Wirkung tritt auch dann ein, wenn sowohl in London wie in
Berlin sich die Zinssätze ermäßigen!
Wie im übrigen steigende Zinsen in Deutschland bei gleichbleibendem oder gar
fallendem Zins in London auf unsere in Frage stehende Wechselkurs-Situation
wirken, stellt sich, wie schon früher angedeutet, so dar. Zu der Eigenschaft der
englischen Guthaben in Deutschland als normale Ware und dem zusätzlichen
inneren Wert wegen Kurschance kommt dann drittens die höhere Verzinsung,
sodaß mit fallendem Markkurs der innere Wert der Markguthaben progressir
wächst. Je stärker der Kurs fällt und gleichzeitig der Zins in Berlin größer wird,
umso größere und sicherere Chancen bieten sich den Käufern. Der Kursfall
resultiert aus einem Mißverhältnis von Angebot und Nachfrage, aus überwiegen-
dem Angebot; je mehr er fällt, umsomehr wird das Mißverhältnis verschwinden,
amsomehr Käufer treten wegen der großen Chance auf, bis endlich mehr Nach-
frage als Angebot vorhanden ist, das umgekehrte Mißverhältnis vorliegt und der
Kurs umschlägt. Je stärker der Kurs fällt, umso stärker wird er gebremst, bis sich
beide Kräfte zunächst die Wage halten und darnach die Bremskraft die stärkere und
damit die treibende wird, d. h. durch überwiegende Nachfrage der Kurs zu steigen
beginnt. Es kommen übrigens noch wesentliche andere Kräfte hinzu, um den
Kurs zu bremsen und zum Umschlagen zu bringen, worüber noch zu sprechen ist.
Auch von Berlin aus gesehen ergibt sich eine Bremswirkung. Wenn deutsche
Kapitalisten ihr Geld in englischer Anlage unterbringen wollen, so ist es für sie an
sich gleich, an welchem Punkte der Kursstrecke 111 oder H—III sie in das
Engagement „einsteigen‘“‘, weil der Zinsgenuß als Prozentsatz gleich bleibt.
Sie kaufen Pfunde behaftet mit x Prozent Zinsgenuß; müssen sie für die Pfunde
einen gestiegenen Preis anlegen, so ist gleichzeitig der Markwert der Zinsen ent-
sprechend größer. Ihre Käufe sind aber von der Verlustchance bedroht, daß der
Kurs demnächst bei Kurspunkt III fallen wird, sodaß sie trotz gleichbleibender
Verzinsung aus diesem Grunde immer mehr als Nachfrage zurücktreten. Umso-
mehr werden sie zurücktreten, falls inzwischen. die Verzinsungsmöglichkeit für ihr
Kapital in Deutschland größer wird. Letzteres veranlaßt darüber hinaus Kapital-
besitzer, die von früher her ihr Geld in englischer Anlage haben, nunmehr aus
dieser heraus und in deutsche Anlage hineinzugehen, also ihren Pfundbesitz auf
den Markt zu werfen. Sie tun das umso lieber, weil ihnen inzwischen. ein sehr
hoher Preis für ihre Pfunde gezahlt wird. Je größer die Zinsdifferenz wird und
je höher der Pfundkurs steigt, umso stärker wirkt der Anreiz, neue Käufe zu
unterlassen und aus alten Engagements „auszusteigen‘“‘, sodaß die damit verbundene
Bremswirkung auf den Kurs zunimmt.
Hier aber liegt der Gegensatz zu der Bremswirkung in England. Das Miß-
verhältnis von Angebot und Nachfrage, also die überwiegende Nachfrage, welches Miß-
verhältnis den Pfundkurs in Berlin steigen ließ, wird durch solche Kaufzurück-
haltung und Enragementsauflösung nicht ins Gegenteil umschlagen können, da wir