beteiligt gewesen war. Die weitere Laufbahn Depews ist
für die Nachwelt nicht von Interesse.
So war der greise Vanderbilt der reichste Magnat der
Vereinigten Staaten geworden. Sein Ehrgeiz war erfüllt;
was kümmerte es ihn, daß sein Vermögen durch Erpressungen
und Ausbeutungen, durch Betrug und Diebstahl erworben
war ? Jetzt, da er seine hundert Millionen zusammen
hatte, konnte er Schmeichelei und scheinbare, wenn nicht
wirkliche Achtung verlangen. Die kommerzielle Welt bewunderte
ihn, obwohl sie ihn anfeindete; in seinen Methoden
erkannte sie im Grunde ihre eigenen, in geschickterer Anwendung
und größerem Maßstab, und während sie über ihre
eigene abnehmende Bedeutung und Macht trauerte, huldigte
sie seinem ungeheuren Vermögen in scheuer Ehrerbietung.
Vanderbilt ging jetzt daran, sich die gesellschaftliche und
kirchliche Achtung zu kaufen, wie er Gesetze gekauft hatte.
Die erkaufte Absolution ist immer eine bequeme und billige
Methode gewesen, die Verzeihung der Gesellschaft für
Diebstähle zu erhalten. Im Mittelalter geschah es auf kirchlichem
Wege; in unseren überlegenen Zeiten ist es zu einem
sozialen Handel geworden. Wenn ein Mann kolossale Summen
gestohlen hat und dann einen kleinen Teil davon für
mildtätige, kirchliche und Erziehungszwecke hingibt, hört
er plötzlich auf, ein Dieb zu sein, und ist mit einem Schlage
ein edler Wohltäter. Vanderbilt verlor jetzt seine lebenslängliche
Unehrerbietigkeit und schenkte einem Geistlichen
der presbyterianischen Kirche, Deems, die Church
of the Strangers in der Mercer Street und stiftete I Million
Dollar für die Gründung der Vanderbilt-Universität in
Nashville (Tennessee). Daraufhin huldigten ihm Presse,
Kirche und die gebildete Welt als einem Wunder christlicher
Mildtätigkeit und Freigebigkeit.
Die Predioten der „oberen Klassen‘
Als der hervorragendste Magnat seiner Zeit erfreute sich
Vanderbilt einer außerordentlichen Popularität; er wurde
von Interviewern und Reportern umdrängt; seine Kämpfe
gegen die rivalisierenden Kapitalisten waren öffentliche An-