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sie mit einem so eigensinnigen Manne in harmonischer Ehe
leben konnte, zeugt für ihren Charakter.“‘““1)
Wenn man den Berichten Glauben schenken kann, mußte
sie Mal für Mal die heftigsten Szenen über sich ergehen
lassen, weil sie sich für einen ihrer Söhne, Cornelius Jeremiah,
einsetzte. Denn für die Nervosität und die schwache Gesundheit
dieses Sohnes hatte der Vater nicht viel Sympathie;
aber ein in seinen Augen unentschuldbares Verbrechen war,
daß Cornelius für die kaufmännische Karriere weder Neigung
noch Talent verriet. Wenn Cornelius an der Börse gespielt
hätte, hätte sein Vater ihn als einen außerordentlich unternehmenden,
achtbaren und vielversprechenden Mann angesehen.
Aber er zog es vor, Karten zu spielen. Dieser
rebellische Mangel an Geschäftsinteresse im Verein mit
Zerstreutheit versetzte den alten Mann so in Wut, daß er
Cornelius aus dem Hause wies und ihm beinahe zwei Jahrzehnte
lang nur zuweilen einmal einen Besuch gestattete,
wenn die Mutter mit ihren Tränen und Klagen durchgedrungen
war. Nach einem mühevollen Leben starb
Vanderbilts Gattin im Jahre 1868; etwa ein Jahr später begab
sich der alte Magnat mit einem jungen Vetter, Frank
A. Crawford, auf Reisen; bei seiner Rückkehr aus Kanada
gab er zur grenzenlosen Überraschung und äußersten Mißbilligung
seiner Kinder seine Wiedervermählung bekannt.
Der Tod des alten Magnaten
Jetzt wurde seinem langen Leben aber schnell ein Ziel
gesetzt. Nach einigen weiteren Jahren des Gelderwerbs erkrankte
er am 10. Mai 1876 lebensgefährlich. Acht Monate
lang war er bettlägerig, und seine kräftige Natur kämpfte
einen verzweifelten Kampf um das Leben. Zwei seiner
Ärzte starben darüber weg; erst am Morgen des 4. Januar
1877 machten sich die Anzeichen des nahen Todes bemerkbar.
Als man das bemerkte, wurden an seinem Lager rührende
Gesänge angestimmt: „Come, Ye Sinners, Poor and
Needy,‘“ — „Nearer, My God, to Thee“ und „Show Ye
Pity, Lord.“ Er starb einen konventionell religiösen Tod,
1) „The Vanderbilts‘“, S. 113.