1. Titel: Verpfligtung zur Leiftung. $ 254.
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Kückicht auf den eigenen SKntereffenftandpunkt des Befchädigten vorliegt,
für welches eine Mißbilligung vom Standpunkte verftändiger Nircdigung
der eigenen Intereffen des Beichädigten begründet er]cheint.
N Dieles regelmwidrige Berhalten kann als Boriaß (als Verftoß gegen
Treu und Ölauden vom Standpunkte der Verkehröfitte aus) oder als Sahr-
(äjtigfeit (jeden ©rades) zu charakterifieren fein, e8 fann fowohl in einent
pofitiven Cum als in einem Unterlafien beftehen. (Val. Ubi. 2.) .
Bei aralijtiger Belchädigung jedoch verbietet eS bie Moral, ein bloß
Fahrläifiges Verhalten Des Beichäbiagten als „mitwirfend“” im Sinne diejes
Paragraphen anzuerfennen. Kein ED wird der Axglilt einen Sreibrie]
auf die Unvorfichtigkeit und „Dummheit“ ausftellen wollen. Huch das
römifche Recht lehnte eine comp ensatio doli jelb{t gegen culpa lata ab,
wenngleich eS in Fontraftlidhen Berhältniflen culpa lata dem dolus gleich-
tellte. Daher find die Enticheidungen des VDE in Sur. Br 1908
S.9 Biff. 10, NMecht 1908 II Baf 301, ROSE. Bd. 69 S. 277 N. Sur.
Wichr. 1908 S. 715 Biff. 12, Hecht 1908 II Biff. 3552 zu billigen. Chenfo
ROE. vom 11. April 1908 bei Warneyer, SXahrb. Mipr.) | Nr. 446.
Dagegen ift NOV. in Seuff. Arch. Bd. 63 ©. 222, Sur. Wicdhr. 1908 S, 329
Bar 12, echt 1908 I Bf, 1755, KOES, vom 28. Oktober 1907 bei War-
nener, Sahrl Mipr.) I Nr. 49 zu beanftanden. Bei heiderfeitigem dolus gilt
aber der Sak: In pari turpitudine conditio possidentis melior est. u
Ergebnis, nicht in der Begründung richtig it RGE. in Iur. IWichr. 1908
S. 677 Biff. 8. (€ veritößt gegen die guten Sitten, ein 3U Spielzweden
A e Darlehen einzukflagen, auch wenn ein Ten durch argliftige
oripiegelung veranlaßt worden; eS iit aber nicht Aufgabe des Richters, ich
auf eine Abwägung gegenfeitiger Arglift im Sinne des $ 254 Un
AUDI A einer Operation? Vgl. NG. in Seuff. Arch. Bd. 46
Yr. 189 1 und IN, Kubhlenbeck, NRechtipr. Bd. 2 S. 45—47 Sam (Endemann,
Nechtswirkung der Aolehnung einer OYperation S. 52 ff, Gottichalf a. a. DO.
S, 95, Nimelin S, 166; neuerdings Ange a Die rechtliche Stellung
des Berleßten im Heilverfahren unter befonderer Berückfichtigung der Pflicht
ar ET NO einer SEN Bürich 1908; vol. auch weitere Literatur und
Braris in VBorbem. I, 4, c, 8 vor S 611. Die Ablehnung einer Operation
it {huldhaft im Sinne ‚Diefes NONE wenn nad) übereinftimmender
ärztlicher Auskunft hei Jorgfältiger Beachtung aller Berhältnifje und ihrer
ben. Itegeln der ärztlichen Kunft angepaßten Durchführung fein wejentliches
Nijiko A befürchten ft und feititeht, daß Fein anderes nicht operatives)
Delser ahren denjelben Heilerfolg zu gewährleiften vermag. Bal. auch FJuld,
peration8pflicht und Ermerbsiähigkeit in MonatSichr. }. foztale Medizin
1903 S. 97 ff. Die Mechtiprechung des RNeidhHSverficdherungsamts,
welche die Yperationspfliht verneint, ijt für da8 Bivilrecht nicht maß-
gebend, da ie EA das Sffentlichrechtliche Verficherungsrecht he-
trifft. Bal. auch ROS, Bd. 60 S, 147 ff, Iur. Michr. 1905 S. 201 Nr. 4
(Umfebhr der Beweislaft). nn
Ueber die Frage, ob ein „Berfchulden“ vor wenn bei einer
Nfändung der Befichäbigte e$ unterlajjen hat, den hHaden durch recht-
zeitige Stellung eines Antrags auf Einftellung der Va ab-
zuwenden, 1. Hagen in Bl. f. RA. Bd. 72 S. 365. Bal. ferner Hecht 1907
S. 1396 Biff. 3458. . . en
Sm übrigen {ft die SFeftftellung diefes „Berfchuldens8“ "eine tatfächliche
Frage, mobei zu beachten ijt, daß ein Berfchulden nicht immer horn dann
anzunehnen ift, wenn jemand hei Drohender Gefahr etwas Sach widriges
tut, 3. 53. durch PLOT Kingeln eines zu fchnell fahrenden RT
eridhredt nach) der alien Seite ausbiegt. Val. ROES. 35. 50
S. 92 ff., Bd. 48 S. 343, NOS. im „Recht“ 1907 S, 18317 Sir. 3457, RNGE. in
Sur. Wichr. 1907 S. 307 Riff. S. Rettungshandlungen begründen in der
Regel kein Berfchulden, noch weniger die nicht rechtswidrige Nothilfe und
Notwehr im Sinne der 588 227, 228, 904 BGG. ROS, Bd. 29 ©. 122,
Yipr. d. DLG. Bd. 3 S. 290. Wer eine fittliche Pflicht, erfüllt oder gar ohne
die Folgen für fich felbft allzır bedenklich abzuwägen eine über das Gebot der
Pflicht hinausgehende Nächftenliebe betätigt, handelt nicht fhuldhaft, folange
Du: nicht jede Nusficht auf Erfolg un]1nnig erfcheint; Dafür ıft aber nicht
der Standpunkt des ex post urteilenden Sachverftändigen, fondern der im
Augenblicke der Rettungshandlkung erfichtliche Tatbeltand maßgebend, (S. oben
Bent. 3 2u & 252, insbejondere S. 68). Dal. jedoch ROSE, in Sur. Wichr. 1907