II. 6. Die Dichtigkeit der Bevölkerung.
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irrtümlicherweise in der Abteilung B des Haus
haltungsbogens aufgeführt worden, so daß sie ohne
Nachprüfung 1 überhaupt nicht als anwesend gezählt
worden wären. Immerhin gewähren die Zahlen der
Tabelle 6 ein einigermaßen getreues Bild der Seß
haftigkeit bzw. Beweglichkeit der Bevölkerung der
einzelnen Gebietsteile.
Im Staatsgebiet wurden am 1. Dezember 1910
21144 (2,07 % der Bevölkerung) vorübergehend
Anwesende und 14190 (1,40 %) vorübergehend
Abwesende gezählt. Im Jahre 1905 wurden ähnliche
Verhältnisse beobachtet, indem im Staatsgebiet auf
100 Anwesende überhaupt 1,64 vorübergehend An
wesende und 0,94 % vorübergehend Abwesende
gezählt wurden. Unter den Stadtteilen mit einer.
besonders großen Zahl vorübergehend Anwesender
fielen auf St. Georg-Nord 3,82 %, Eppendorf 3,20 % ,
Veddel 17,52 % und die Schiffe im Hafen 59,27 %.
In den beiden erstgenannten Stadtteilen ist die Be
gründung für die Höhe der Zahlen darin zu finden,
daß in beiden Stadtteilen je ein großes Krankenhaus
liegt; im Stadtteil \ r eddel geben die vorübergehend
anwesenden Bewohner der dort gelegenen Auswan
dererhallen den Ausschlag; auch die ziemlich hohe
Verhältnisziffer von Altstadt-Nord ist auf Auswan
derer zurückzuführen, während die hohen Ziffern von
Neustadt-Nord sich aus der größeren Zahl dort be
findlicher Gasthöfe, diejenigen von St. Pauli-Nord
aus der Anwesenheit von Domschaustellern usw. er
klären. Im Landgebiet tritt besonders die Gemeinde
Geesthacht hervor (3,37 %), auf deren Gebiet die
Lungenheilstätte Edmundstal liegt, auch die Wald
dörfer hatten einen hohen Prozentsatz vorübergehend
Anwesender (3,09 %) zu verzeichnen. Bei den vor
übergehend Abwesenden treten die Stadt
teile mit wohlhabender Bevölkerung, unter ihnen
besonders Harvestehude, hervor (2,17 %), die
übrigen Stadtteile zeigten keine großen Unterschiede
in den Prozentzahlen (von Steinwärder und Kleiner
Grasbrook ist abzusehen). Auf dem Landgebiet
tritt besonders die hohe Anteilzahl Finkenwärders
hervor, die dadurch ihre Erklärung findet, daß die
Bevölkerung vorwiegend Seefischerei treibt.
6. Die Dichtigkeit der Bevölkerung.
Bei der ungleichmäßigen Besiedelung der Gebiete
des Stadtstaates Hamburg ist die Darstellung der Be
völkerungsdichte von besonderer Bedeutung. Daher
hat man in früheren Jahren (1874, 1885, 1890 und
1891) diese Frage besonders gründlich, zum Teil
kartographisch (1885 und 1891) bearbeitet. Einige
Hauptergebnisse dieser früheren Untersuchungen
sind im Heft XXIII der Statistik des'Hamburgischen
Staates, Seite 70, mitgeteilt. Für das Jahr 1910
sind die Unterlagen zur Beurteilung dieser Ver
hältnisse in Tabelle 7 gegeben, in welche die Flächen
zahlen der Stadtteile und Landherrenschaften unter
Heraushebung der Wasserflächen und in der letzten
Spalte die Bewohnerzahlen auf 1 ha trockener
Fläche aufgenommen sind.
Diese Zahlen können nur einen allgemeinen Über
blick gewähren, da sie über Bebauungsart der Stadt- I
Statistik des Hamburgisclien Staates. XXVIII.
teile, Höhe und Zahl der Wohngebäude, Breite der
Straßen, Art der nichtbebauten, angrenzenden
Flächen usw. keinen Aufschluß geben. Zur Ver
vollständigung dieses Bildes ist darum die an anderer
Stelle veröffentlichte Gebäude- und Wohnungs
statistik heranzuziehen; auch der vorstehend bereits
behandelte Absatz über die Agglomeration dürfte
die Beurteilung dieser Verhältnisse erleichtern.
Unter den Stadtteilen zeichnete sich St. Pauli Süd
mit 581 Einwohnern (587 Einwohner im Jahre 1905)
auf 1 ha wieder durch die größte Bevölkerungs
dichtigkeit aus. Es folgte Neustadt-Süd mit 498
Bewohnern gegen 584 im Jahre 1905 und 670 im
Jahre 1900. In diesem Stadtteil wurden ganze
Häuserreihen mit Kleinwohnungen aus gesundheit
lichen Gründen abgebrochen und durch neue, ge
räumiger angelegte Gebäude mit weniger Woh
nungen ersetzt. Die verminderte Bevölkerungs
dichte in den übrigen Teilen der inneren Stadt ist,
wie bereits an anderer Stelle erwähnt wurde, auf
gesteigerte Verwendung von bisherigen Wohn-
räumen zu Geschäftszwecken zurückzuführen. An
die genannten Stadtteile schließen sich in der
Reihenfolge absteigender Bevölkerungsdichte fol
gende Stadtteile mit mehr als 100 Bewohnern auf 1 ha
an: St. Georg-Süd mit 409 (1905: 400), Eimsbüttel
mit 401 (1905: 288), St. Georg-Nord mit 349 (356),
Neustadt-Nord mit 316 (353), Eilbeck mit 308 (235).
Borgfelde mit 295 (227), Uhlenhorst mit 294 (264),
Altstadt-Nord mit 265 (429), St. Pauli-Nord (mit
Heiligengeistfeld, Zoologischem Garten und Be
gräbnisplätzen) mit 250 (248), Hohenfelde mit 241
(230), Eppendorf mit 176 (120), Rotherbaum mit 160
(150), Harvestehude mit 111 (93), Hamm mit 108 (64)
und Barmbeck mit 104 (74). Die übrigen Stadtteile
hatten weniger als 100 Einwohner auf 1 ha, darunter
Altstadt-Süd, von deren Landfläche der größere Teil
von Speichern, Kais und Eisenbahnen eingenommen
wird, 57 (71). Derselbe Grund trifft in weit höherem
Maße zu für die Stadtteile Veddel mit 25 Ein
wohnern (einschließlich Auswanderer) auf 1 ha,
Kleiner Grasbrook mit 2,2, Steinwärder mit 3,7. Bei
anderen Stadtteilen dagegen ist die geringe Dichtig
keit der Bevölkerung darauf zurückzuführen, daß
ein großer Teil der Bodenfläche noch unbebaut ist.
Die in Klammern beigefügten nachfolgenden Dich
tigkeitszahlen der Volkszählung 1905 lassen jedoch
erkennen, daß auch diese Gebiete immer mehr zur
Bebauung herangezogen werden. Die Dichtigkeit in
Billwärder Ausschlag z. B. wurde auf 85,5 (71), in
Winterhude auf 61,5 (41), in Horn auf 12,8 (.10)
berechnet. Einige Stadtteile, die im Jahre 1905
noch eine Dichtigkeit unter 100 Einwohner auf 1 ha
aufwiesen, wie Barmbeck (74) und Hamm (64), haben
mit 103,6 bzw. 108,3 diese Grenze überschritten.
Auf dem Landgebiete treten nur die Städte
Bergedorf mit 27,4 und Cuxhaven mit 14,92 hervor
(1905: 22,75 bzw. 10,92). In der Landherrenschaft
der Geestlande (mit mehreren großen Anstalten)
wohnten im Jahre 1910 durchschnittlich nur 2,72
Personen auf 1 ha gegen 2,13 im Jahre 1905, in den
Marschlanden 1,92 gegen 1,94, in der Landherren
schaft Bergedorf ohne die Stadt 1,88 gegen 1,81 und
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