Full text: Der finanzielle Aufbau der deutschen industriellen Aktiengesellschaften in den Jahren 1901 bis 1910

20 
lassen, bis im Jahre 1905 produzierendes Anlage- und Betriebsvermögen ungefähr gleich sind, ändert 
sich in den fünf folgenden Jahren das Bild vollkommen, da der Anteil des produzierenden Anlage 
vermögens im Jahre 1906 .30,2 °/ 0 beträgt und bis 1910 auf 32,0 °/ 0 steigt, wobei die im Jahre 
1909 erreichte Höhe von 33,4% durch Zunahme d,er Wertpapiere und Beteiligungen auf Kosten 
des Betriebsvermögens hervorgerufen wird; im Jahre 1910. wird dann das Betriebsvermögen durch 
erhöhte Inanspruchnahme des kurzfristigen Kredits wieder ergänzt. Der Anteil der Vorräte am pro 
duzierenden Vermögen wächst von 19,5 % im Jahre 1905 auf 31,2 o/ 0 im Jahre 1906. Der Durch 
schnitt der zehn Jahre ergibt für das produzierende Anlagevermögen 32,4 °/ 0 , für das Betriebsver 
mögen 67,6 o/(5 des produzierenden Vermögens; wovon auf die Vorräte 30,2 o/ 0 entfallen. 
Die Anlage in Wertpapieren und Beteiligungen ist hoch; im Durchschnitt beträgt ihr An 
teil 23,0 0/0 des Gesamtvermögens und 48,0 % des Gesamtanlagevermögens. 
Die Abschreibungen belaufen sich auf 2,1 % des Gesamtvermögens. 
Die' Liquidität beträgt durchschnittlich 2,32. Sie wird in ihrer Gleichmäßigkeit während 
der zehn Jahre stark beeinflußt durch die erheblichen Verschiedenheiten der kurzfristigen Schulden, 
denen nicht entsprechende Änderungen des Betriebsvermögens gegenüberstehen; beispielsweise ver 
teilt sich die Verwendung der im Jahre 1910 erhöhten kurzfristigen Schulden auf Betriebsvermögen 
und Wertpapiere und Beteiligungen, wodurch die Liquidität auf den kleinsten Wert 1,62 sinkt. Im 
selben Jahre, bewirkt durch diese Erhöhung des Gesamtanlagevermögens aus dem kurzfristigen Kredit, 
zeigt auch das Verhältnis des dauernd verfügbaren Kapitals zum Gesamtanlagevermögen seinen ge 
ringsten Wert mit 1,27; die durchschnittliche Höhe 1,48 ist als verhältnismäßig groß anzusehen, da 
das Gesamtanlagevermögen fast die Hälfte des Gesamtvermögens ausmacht. 
c) Elektrizitätsmaschinen- und Apparatebau. 
Tabelle 15. 
Die Anzahl der untersuchten Gesellschaften für Elektrizitätsmaschinen- und Apparatebau 
sinkt von 4 im Jahre 1901 1 2 auf 2 im Jahre 1904 und steigt bis 1910 auf 7 Gesellschaften. An 
eigenem Kapital weisen die Gesellschaften im Durchschnitt 132,6 °/ 0 des Aktienkapitals auf; diese 
Höhe wird jedoch nur durch die ungewöhnlich großen Reserven einer 3 der Gesellschaften erreicht; 
ihre erhebliche Zunahme in den Jahren 1906 und 1910 beruht nicht auf Zuweisungen aus den 
Betriebsgewinnen, sondern auf Agiozuwendungen. Das fremde Kapital zeigt im Verhältnis zum 
eigenen Kapital im ganzen zunehmende Tendenz, wobei von den ungewöhnlichen Verhältnissen des 
Jahres 1901 1 abzusehen ist; durchschnittlich beträgt es 53,7 °/ 0 des eigenen Kapitals, wovon 25,2 °/ 0 
auf Obligationen und Hypotheken entfallen, die sich auf 33,4 °/ 0 des Aktienkapitals belaufen. Die 
von den vorhergehenden Jahren abweichende Höhe des fremden Kapitals im Jahre 1905 wird ver 
anlaßt teils durch Hinzutritt zweier Gesellschaften mit niedrigerem fremden Kapital, teils durch Er 
höhung des eigenen Kapitals. 
Das produzierende Vermögen setzt sich durchschnittlich zusammen aus 34,4 % produzie 
rendem Anlagevermögen und 65,6 °/o Betriebsvermögen. Im allgemeinen wächst der Anteil des 
Betriebsvermögens im Laufe der Untersuchungszeit, wiederum abgesehen vom Jahre 1901. Zu seinem 
hohen Anteil tragen die Vorräte, die 1907 bis 1910 höher sind als das produzierende Anlagever 
mögen, erheblich bei; im Durchschnitt entfallen auf sie 28,5 o/ 0 des produzierenden Vermögens. 
Der Anteil der Wertpapiere und Beteiligungen ist gering im Vergleich mit dem produzierenden 
Vermögen; jedoch nimmt er mit einigen unbedeutenden Schwankungen ständig zu, und zwar von 
0,9 °/ 0 im Jahre 1902 auf 5,8 °/ 0 des Gesamtvermögens 1910. Der Durchschnitt, außerordentlich 
stark beeinflußt durch das Jahr 1901, ergibt einen Anteil von 6,3 °/ 0 des Gesamtvermögens und von 
1 6,3 °/ 0 des Gesamtanlagevermögens. 
Die Abschreibungen belaufen sich durchschnittlich auf 2,8 °/ 0 des Gesamtvermögens. 
Die Liquidität läßt von 1902 bis 1910 erheblich nach; sie sinkt von 7,92 auf 2,99, da 
die absolute Höhe der kurzfristigen Schulden ungefähr um das 17fache, die des Betriebsvermögens 
nur um etwa das 7 fache wächst. Der Durchschnitt der Liquidität 3,5,9 ist als günstig anzusehen. 
1) Eine der Aktiengesellschaften, die Elektrizitäts-A.-G. vorm. Lahmeyer u. Co., ist nur 1901 zu den 
Gesellschaften für Elektrische Maschinen- und Apparatebau gezählt worden, da sie von 1902 ab durch Angliederung 
der Deutschen Gesellschaft für elektrische Unternehmungen zur gemischten Elektrizitätsindustrie (s. d Abschnitt) zu 
rechnen ist; sie zeigt schon 1901 einen von den übrigen Gesellschaften abweichend hohen Bestand an Wertpapieren 
und Beteiligungen, nämlich; ult. März 1902 18,78 Mill. Mk., größtenteils Aktien und Obligationen der Deutschen 
Gesellschaft für elektrische Unternehmungen. 
2) Bergmann Elektrizitätswerke, A.-G.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.