Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

RUSSLAND.  —  Finanzen  íBudget).

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veranschlagt.  Die  eigentl.  Rächte  erscheinen  nur  mit  3,  der  Ertrag  der
Forsten  mit  3%  ,  der  Berg-  und  Hüttenwerke  mit  2%  Mill.,  dagegen
jener  der  Nicolaus-Eisenbahn  mit  etwas  mehr  als  9.  Die  wichtigste  Einnahmeposition ­
  bildet  die  Getränke-  (Branntwein-)  Steuer.  Früher  ward
der  Branntwein  in  29  Gouvernements  als  Monopol  behandelt,  in  anderen
die  Steuer  verpachtet.  Mitte  1858  erfolgte  allgemeine  Verpachtung  des
Erträgnisses.*)  Der  Ertrag,  1853  erst  79  Mill.,  war  für  1863  auf
108  Mill,  veranschlagt,  lieferte  aber  in  Wirklichkeit  118,  ungerechnet
die  Mehreinnahme  in  Sibirien;  für  1864  lautet  der  Voranschlag  auf
127’805,000  R.  —  Die  Auflage  auf  das  Salz  erträgt  etwas  über  10  Mill.
Das  frühere  Monopol  ist  aufgehoben  und  der  Salzhandel,  vorbehaltlich
einer  Steuer  auf  das  Salz,  freigegeben.  Die  Auflage  auf  den  inländischen
Tabak  liefert  4  Mill.  Verhältnissmässig  sehr  gering  erscheint  der  Zollertrag ­
  ,  veranschlagt  zu  34  %  Mi^i  Im  J.  1853  belief  sich  derselbe  schon
auf  28'337,674  ;  die  Summe  sank  im  Kriegsjahre  1854  auf  20’864,391
und  1855  sogar  auf  18’473,103,  hob  sich  aber  folgendermassen  :
1856  1857  1858  1859  1863  (Budg.)  1864  (Budg.)
29’607,620  35*798,581  33*659,312  34*238,187  32*514,532  35*671,000
,  Unterm  11.  Oct.  1862  ward  den  Bauern  eine  Ergänzungsauflage
zur  Kopfsteuer  im  Betrage  von  25  %  des  früheren  Ansatzes  auferlegt,
zus.  6*290,000  R.  Dann  wurck  1.  Jan.  1863  eine  neue  Grund-,  Handels- ­
  und  Gewerbesteuer  eingeführt,  wogegen  Aufhebung  der  Bürgerkopfsteuer ­
  erlblgte,  wonach  man  eine  Mehreinnahme  von  2*530,000  R.
erwartete.  Auch  die  Grundzinsabgaben  erfuhren  eine  Erhöhung  von
2,7  Mill.  Die  Bergwerksabgabe  ward  aufgehoben.
Die  Staatsausgaben  haben  sich  sehr  vermehrt.  Noch  1859  u.  60
war  der  Bedarf  zu  260*201,177,  reap,  zu  298*307,388  R.  veranschlagt.—
Es  treten  besonders  zwei  Ausgabeposten  hervor;  Schuld  und  Militär.  —
Die  §chuld,  welche  1853  33'/%  Mill,  erforderte,  verschlang  1859  bereits ­
  über  49%  ,  erforderte  1860  und  62  mehr  als  54*/%  1862  57,5
und  erscheint  1864  mit  59,6  Mill.,  somit  Steigerung  des  Bedarfs  blos
für  Zinsen  und  Amortisirung  um  mehr  als  10  Mill,  in  5  Jahren.  —  Ungeheuer ­
  ist  die  Ausgabe  für  das  Kriegswesen  angewachsen.  Reden
berechnete  1853  den  Aufwand  für  die  Landmacht  zu  etwas  weniger  als

*)  Um  die  dessfallsigen  Einkünfte  nicht  geschmälert  zu  bekommen,  hatte
die  Regierung  unter  Kaiser  Nicolaus  die  »Mässigkeitsvereine«  verboten  !  Bei
dem  Streben  nach  Emancipation  erkannten  aber  die  Bauern  selbst  die  schlimmen
Lolgen  der  Irunksucht  und  legten,  ohne  Anregung  von  Aussen,  gemeindeweise
das  Gelübde  ab,  nur  in  Krankheitsfällen  und  bei  Familienfesten  wieder  Branntwein ­
  zu  gemessen,  unter  Bestimmung  einer  Strafe  für  die  Uebertreter.  Die
Pächter  suchten  durch  billige  Preise,  selbst  durch  freiwillige  Branntweingaben,
die  alte  1  runksucht  wieder  zu  erwecken,  doch  vergeblich.  Um  so  nachdrücklicher ­
  riefen  sie  die  Hülfe  der  Staatsgewalt  an,  da  sie  ihren  Pachtpreis  nicht
bezahlen  könnten.  Und  in  Wirklichkeit  verbot  eine  ministerielle  Anordnung
den  Vollzug  jener  Gemeindebeschlüsse,  unter  dem  Vorgeben,  dass  die  Communen
  zu  deren  Erlassung  nicht  befugt  seien.  Nach  der  Versicherung  des
Fürsten  Dolgorukow  haben  die  ohnehin  von  den  Branntweinpächtem  gewonnenen ­
  Local-Policeibehörden  mitunter  sogar  offene  Gewalt  —  Ruthen  -  und
Stockschläge  —  angewendet,  die  Bauern  zum  Branntweintrinken  zu  zwingen.
Dies  wirkte,  —  das  Branntweintrinken  ist  stärker  als  je  geworden.
K  o  1  b  ,  StatUtik.  4.  Aufl.  g
            
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