Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

NORWEGEN.  —  Militär.  Sociales.

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1858.  —  Der  Storthing  benützte  die  (durch  die  demokratischen  Einrichtungen ­
  herbeigeführte)  glückliche  Lage  der  Staatscasse  theils  zu  Verbesserungen, ­
  theils  zur  Verminderung  der  Volkslasten.  Ungeachtet  des
Widerstandes  der  Regierung,  konnten  allmählig  alle  directen  Steuern
(seit  1836  auch  die  Grundsteuer)  abgeschaflFt  werden.  In  späterer  Zeit
wurden  wieder  Anlehen  contrahirt,  aber  wesentlich  für  productive
Zwecke,  für  Einrichtung  einer  ganz  Norwegen  verbindenden  Dampfschifffahrt ­
  (bis  zum  höchsten  Norden),  Anlegung  von  Häfen,  von  Kunststrassen ­
  ,  Erbauung  von  Leuchtthürmen,  Eisenbahnen,  Gründung  einer
Hypothekenbank  u.  dgl.  Besonders  beachtenswerth  ist  der  steigende
Ertrag  der  Zölle,  durch  welche  weitaus  der  grösste  Theil  des  Staatsbedarfs ­
  gedeckt  wird.  Im  Budget  für  1818  zu  680,000  Spec,  veranschlagt,
ergab  sich  eine  wirkl.  Einnahme  von  860,000,  und  im  nächsten  Jahre
von  1’059,000.  1830  war  der  wirkl.  Ertrag  1’311,000,  1839  1’830,000,
1850  2’197,000,  1859  2  656,000.
Militär.  Die  Truppen  sind  theils  geworben,  theils  ausgehoben.
Jeder  Norweger  ist  dienstpflichtig.  Die  Ausgehobenen  kehren  nach  einiger ­
  Zeit  in  ihre  Heimath  zurück,  obwol  die  Dienstpffichtigkeit  bei  der
Infanterie  5  ,  bei  der  Cavallerie  und  Artillerie  6  Jahre  dauert.  Hiebei
ist  die  Zeit  der  Reservepflichtigkeit  eingerechnet.  Activ  sind,  einschliesslich ­
  der  Cadres  und  der  zu  unterrichtenden  Recruten,  durchschnittlich ­
  höchstens  7200  M.  Die  ausgediente  Mannschaft  gehört  noch
3  Jahre  lang  zur  Landwehr.  Wer  nicht  in  der  Linie  dient,  wird  bei  der
Landwehr  einexerciert.  —  Stand  1854  23,484  Mann,  nemlich  :

Zmi'e.'Infanterie,  22  Bataill.  *)  15,9781
Cavallerie,  ä  Jägercorps  1,382>  19,511
Artillerie,  1  Reg.  .  .  2,151  j
Landwehr  (organisirte)  •  15,604

Zusammen  .‘15,115
Der  König  darf  eine  Garde  von  norwegischen  Freiwilligen  halten,
und  Behufs  der  Waffenübungen  3000  M.  alljährlich  aus  einem  Reiche
in  das  andere  bringen.  Sonst  darf  kein  schwedischer  Soldat  in  Norwegen ­
  und  kein  norwegischer  ;n  Schweden  stationirt  sein.  —  Es  bestehen
108  freiwillige  Schützenvereine,  zus.  mit  7600  Mitgliedern.
Festungen  (meist  unbedeutend)  :  Frederiksstad  mit  Frederikshald,
Aggershuus  bei  Christiania,  Forts  bei  Christianssand,  Bergen,  Drontheim.
Marine.  Norwegen  besitzt  2  Schraubenfregatten  von  56  und  26
Kanonen  und  500  resp.  300  Pferdekraft,  3  Schraubencorvetten,  zus.  mit
36,  und  6  Dampfkanonenboote  und  3  Schleppdampfer,  zus.  14  Dampfer
mit  133  Kan.  Ausserdem  eine  Anzahl  Fahrzeuge  nach  dem  älteren  Systeme, ­
  worunter  2  Fregatten;  diese  Schiflfe  meistens  sehr  alt.  Als  seedienstpflichtig
  sind  46,000  Mann  zwischen  dem  30.  und  60.  Altersjahre ­
  in  die  Marineliste  eingetragen.
Sociales.  Alle  Norweger  sind  vor  dem  Gesetze  gleich  ;  Adel  existirt
verfassungsmässig  nicht  mehr.  Das  Gesetz  vom  1.  August  1821  bestimmte ­
  ,  dass  die  Steuerfreiheit  mit  dem  Tode  der  damaligen  Lehenbe-*)
  Ein  eigenthümliches  Corps  bilden  die  sog.  SkirlUhere  oder  Schlittschuhläufer ­
  ;  es  sind  mehre  Companien  leichter  Infanterie,  mit  Büchse  und  einem
8  Fuss  langen  Stock  zur  Erleichterung  des  Laufens  armirt.
            
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