Full text: Die Social-Demokratie

132 V. Der Klassenhaß und die Soc-Demokratie. 
„Organismus, wo jeder Theil zum Gesammtprodukt beiträgt. 
„Der organische Beitrag läßt sich nicht mechanisch abwägen. 
„Der Socialismus versteht, daß die Arbeiter Glieder des 
„Arbeitsprocesses sind. Er trägt sich nicht mit der kopf- 
„losen Idee, ein gemeinschaftliches Produkt nngc- 
„meinschaftlich vertheilen, Jeden nach Verdienst 
„anslohnen zu wollen. Das Auge übermäßig pflegen, 
„und dem untergeordneten Fuß das Nothwendige versagen, 
„so ungefähr oder gar noch unverständiger handelt unsere 
„barocke Gerechtigkeit mit ihrem mißverstandenen suum caique. 
„Wie der Maschinist den kleinen Nagel sorgfältiger aufhebt 
„als das große Rad, so verlangen wir, daß daS Produkt 
„unserer Arbeit nach Bedürfniß vertheilt werde, 
„daß der Starke mit dem Schwachen, der Flinke mit dem 
'„Schwerfälligen, die intelligente und die physische Kraft, so- 
„weit sie menschlich sind, auch in humaner Gemeinschaft den 
„Erwerb betreiben und genießen." 
Das Kapitel „vom vollen Arbeitsertrag für jeden Ar 
beiter", welcher Ausdruck in das Programm der social 
demokratischen Arbeiterpartei Anfnahnie gefunden hat, bietet 
der socialistischen Agitation reiche Gelegenheit für die Gegen 
wart, ben Klaffenhaß zu fördern und für die Zukunft dein 
Arbeiter goldene Berge vor die Augen zu malen. Der N" 
uuß des vollen Arbeitsertrags für jeden Einzelnen sott ja 
das Mittel sein, das Wohlergehen und den Reichthum all 
gemein zu machen. Der Arbeiter, der sich durch volltönende 
Worte nicht täuschen lasse,! will, sondern etwas nachzudenken 
gelernt hat, wird sich wohl schwerlich sehr rasch für einen 
Zustand begeistern, der die mittelmäßigen Elemente mit den 
vorzüglichen gleichwägt, im Allgemeinen die Ausbentnug der 
Starken durch die Schwachen zum Gesetz erhebt. 
Wir haben nicht nöthig, für den von der Social-Demo-
	        
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