Full text : Die Social-Demokratie

Predigten  des  Hasses

13S

„Selbst,  wenn  mit  süßlichem  Lächeln  der  bequeme  Praffer
„und  der  nervöse  Blaustrumpf  mit  Humanität  und  Christlichkeit ­
  prunken  wollen,  wenn  sie  ihren  leidenden  „Mit-„brüdern"
  und  „Mitschwestern"  ein  karges  Almosen  oder
„eine  dünne  Wasiersuppe  „aus  Barmherzigkeit"  oder,  „um
„die  sociale  Frage  zu  löseil",  zu  Theil  werden  lasten,  selbst
„dann  noch  rümpfen  sie  die  Nase  und  zittern  vor  der  Be-„rührung
  niit  dem  „Lumpenpack."
„Denn  sie  denken:  „Das  ist  die  Canaille!"
„Ja,  „das  Bolk  ist  eine  Canaille",  so  lange  die
„Bourgeoisgesellschaft  dauert.  Las  salle  meinte  einst  mit
„seiner  bitteren  Ironie,  wenn  die  liberale  Preste  den  Befehl
„erhielte,  an  die  Spitze  einer  jeden  Zeitung  mit  fingerlangen
„Buchstaben  diesen  Satz  zu  drucken,  sie  würde  in  ihrer
„Feigheit  nicht  verabsäumen,  dem  Befehl  zu  gehorchen.  Schade
„ist  es,  bitter  schade,  daß  der  Zwang  nicht  da  ist;  lesen
„müßte  das  Volk  tagtäglich,  daß,  so  lange  es  nicht  selbst
„Hand  an's  Werk  legt,  um  die  neue  socialistische  Gesellschaft
„anzubahnen,  es  unter  dem  Druck  des  ehernen  Lohngesetzes
„nichts  Andres  ist,  nichts  Anderes  sein  kann,  als  die  noth-„leidendc,
  verachtete  „Canaille."
„Volk,  begreife  Dein  Elend;  Volk,  denke  daran,  daß  es
„Deine  Trägheit,  Deine  Flatterhaftigkeit  allein  sind,  welche
„Schuld  daran  tragen,  wenn  Du  Dich  nicht  empor-„raffst,
  wenn  Du  nicht  die  Menschenrechte  zur  Geltung
„bringst  im  Staatsleben.
„Auf  Schritt  und  Tritt  tönt  Dir,  o  Volk,  der  höhnische
„Ruf  „Canaille"  nach.  Willst  Du  Deine  entwürdigende
„Lage  bester«,  forderst  Du  die  Verwirklichung  der  Menschen-„rechte,
  stets  nennt  man  Dich  die  rohe  Pöbelrotte,  die  nur
„auf  Gewaltthat,  Plünderung  und  Befriedigung  ihrer
„Laster  sinnt.
            
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