Full text : Die Social-Demokratie

Gleicher  Genuß

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dienen.  Ist  die  materialistische  Lebensanschauung  in  ihrem
Recht,  dann  ist  es  ein  schreiendes  Unrecht,  einer  Minderheit
den  höchsten  Lebensgenuß  einzuräumen,  und  die  große  Mehrheit ­
  auf  ein  sehr  bescheidenes  Maß  von  Lebensfreuden  zu
beschränken.  Der  Lebenszweck  muß  für  alle  Menschen  ein
gleicher  sein.  Folglich  ist  es  auch  ganz  in  der  Ordnling,
die  Schranken  zu  beseitigen,  welche  die  Einen  von  dem  allen
Menschen  gesteckten  gleichen  Ziel  weit  weit  entfernt  halten,
während  die  Anderen  durch  Nichts  behindert,  ohne  viel  Mühe
dort  anlange»».  Das  Loos  der  niederen  Klassen  steht  in  einem
großen  Mißverhältniß  zu  den  materialistischen  Anschaliungen
vorn  menschlichen  Leben.  Wer  diese  Anschauungen  theilt,
der  hat  nicht  das  »lindeste  Recht,  der  socialistischen  Forderung
nach  Gleichheit  des  Genusses  den  geringsten  Widerstand  entgegenzusetzen. ­
  Ehe  wir  auf  deutschen»  Boden  eine  Social-Dcmokratic
  kannten,  war  für  sie  von  anderen  Händen  schon  das
Fundament  gelegt,  auf  welchem  sie  weiter  baut  und  unsere
Zeit  sorgt  dafür,  daß  dieses  Funda»nent  immer  niehr  befestigt
wird,  trotzdem  daß  sie  int  Kampfe  wider  den  Socialismus
sich  befindet.  Anstatt  die  Quadern  des  Atheismus  und
MaterialiSmns  auszugraben,  arbeiten  täglich  immer  inehr
Hände  daran,  sie  nur  noch  tiefer  in  das  aufgewühlte  Erdreich ­
  unseres  Bolkslebens  zu  versenken.  „Atheismus  und
Matcrialismtts,  cynisches  Prassen  und  Verschwenden,  Gleichgültigkeit ­
  gegen  alle  höheren  sittlichen  Güter  sind  in  einem
großen  Theil  unserer  sogenannten  höheren  Klassen  längst  eingerissen, ­
  ehe  man  anfing,  über  Aehnliches  bei  den  Arbeitern
zu  klagen.  Eine  Weltauffassung  aber,  die  nicht  mehr  an
eine  gerechte  Weltregierung,  nicht  mehr  an  einen  Ausgleich
nach  dem  Tode  glaubt,  die  es  vergessen  hat,  daß  das  höchste
menschliche  Glück,  ein  schönes  Familienleben  und  ein  reines
Gewissen  auch  in  bescheidener  Lebenslage  sich  erreichen  läßt.
            
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