Full text : Die Theerfarben-Fabriken der Herren Meister, Lucius & Brüning zu Höchst a. Main, in sanitärer und socialer Beziehung

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Gehen  wir  zu  den  klinischen  Symptomen  der  acuten  Anilinvergiftungen
über,  so  müssen  wir  in  erster  Linie  die  lokalen  und  die  allgemeinen,  durch  das
lilut  vermiltelten  Wirkungen  unterscheiden.  Die  lokale  Wirkung  auf  den  Ort  der
Application  ist  gering  und  ist  begründet  in  der  Eigenschaft  des  Anilins,  Eiweisslösungen ­
  zum  Gerinnen  zu  bringen.  Sonnen  kalb  fand,  dass  1  g  Anilin  4  g
Eiweiss  coagulirten  und  dass  diese  Eigenschaft  weder  dem  Kitrobenzol  noch  dem
Benzol  zukomme.  Trotzdem  sind  die  localen  Erscheinungen  gering  und  wenn
auch  die  Einverleibung  grösserer  Mengen  per  os  gastroenteritische  Erscheinungen
veranlassen  kann,  so  ist  dies  doch,  wie  die  Versuche  von  Bergmann  bei  Thieren
beweisen,  höchst  selten.
Ungleich  wichtiger  sind  die  Symptome  der  allgemeinen  Wirkung  des  Anilins. ­
  Diese  bieten  eine  Kette  graduell  verschiedener  Erscheinungen  dar.  welche
zwischen  einer  in  wenigen  Stunden  vorübergehenden,  leichten  Gesundheitsstörung
und  den  schwersten,  mit  dem  Tode  endigenden  Symptomen  variiren.
ln  den  leichtesten  Fällen,  wie  man  solche  an  heissen  Tagen  in
den  Reductionsräumen  nicht  selten  zu  beobachten  bekommt,  überfällt
den  in  einer  mit  Anilindämpfen  geschwängerten  Atmosphäre  beschäftigten ­
  Arbeiter  ein  Gefühl  von  Müdigkeit  und  Schwäche;  der
Kopf  ist  eingenommen;  die  Augen  sind  matt;  der  Gang  ist  taumelnd,
unsicher;  die  Bewegungen  haben  ihre  Elasticität  verloren;  die  Sprache
ist  langsam,  schwerfällig;  der  Zustand  gleicht  dem  einci  leichten
Trunkenheit;  die  Gesichtsfarbe  ist  fahl,  blass;  der  Lippensaum  ist
bläidich;  der  Appetit  fehlt  vollständig,  ln  einzelnen  Fällen  klagen
die  Kranken  über  Flimmern  vor  den  Augen,  in  anderen  ist  der  Drang
zum  Urinlassen  vermehrt;  der  Urin  selbst  erscheint  dunkel,  ohne
jedoch  Anilin  zu  enthalten.  Symptome  einer  Reizung  der  Schleimhäute ­
  der  Athmungswerkzeuge  boten  unsere  Beobachtungen  in  keinem
Fall  und  stimmen  dieselben  somit  mit  der  Ansicht  von  Hirt  überein,
welcher  die  von  Friedrich,  Rörig  u.  A.  beobachteten  Bronchialcatarrhe
  und  deren  Folgezustände  nicht  auf  Rechnung  des  Anilins,
sondern  auf  die  anderer  Schädlichkeiten  in  spec,  von  Säuredämpfen,
wie  solche  bei  dem  Darstellen  von  Anilinfarben  verkommen,  schreibt.
ln  anderen  Fällen  ist  der  Verlauf  ein  anderer.  Die  Arbeiter
empfinden  von  ihrer  Intoxication  mit  Anilin  gar  nichts  und  nur  die
Umgebung,  in  spec,  die  Aufseher,  welche  in  dieser  Richtung  instruirt
sind,  sehen  die  Lippen  blau  werden.  Fragt  man  dann  einen  solchen
Arbeiter,  ob  er  sich  unwohl  fühle,  so  verneint  er  diese  Frage;  es
fehlen  somit  in  diesen  leichtesten  fällen  alle  subject!ven  Störungen,
und  die  Anfälle  gehen,  sowie  die  vorher  beschriebenen,  in  wenigen
Stunden  vorüber,  wenn  der  Erkrankte  die  anilinhaltige  Atmosphäre
            
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