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gewaltige Bedeutung gewinnen für die gesummte Weltwirth-
schaft sowohl, als für die einander stets entgegengesetzten natio
nalen Interessen der großen, in fortwährender Ausbreitung be
griffenen europäischen Völker. Eine weitausschauende Politik
wird daher diese Gebiete stets im Auge behalten. Einige Pro
jekte zur Gründung größerer deutscher Niederlassungen in der
asiatischen Türkei sind bereits aufgetaucht, so namentlich das
Pressel'sche Projekt, Anatolien, das Sprenger'sche
Projekt, Mesopotamien mit Deutschen zu besiedeln; die
selben sind jedoch bis jetzt noch nicht aus dem Stadium des
Projektes herausgetreten, und das wird, vorläufig wenigstens,
auch schwerlich geschehen.
Als der erste schwache Anfang in der Kolonisation Klein
asiens ist die in jüngster Zeit erfolgte Uebersiedelung deut
scher Ackerbauer aus Rumänien dahin anzusehen. In Amassi a
waren schon vor einiger Zeit dem „Hamburgischen Korrespon
denten" zufolge 100 Deutsche aus der Dobrudscha eingetroffen
und weitere 300 im Begriff zu folgen, um sich dort der Müllerei,
der Landwirthschaft und verwandten Gewerben zu widmen.
Man darf auf den Ausgang des Unternehmens gespannt sein.
Kleinere deutsche Kolonien finden sich in mehreren Städten
Kleinasiens, jedoch verdient nur diejenige in Smyrna erwähnt
zu werden. Unter den 4000 in dieser Stadt lebenden Fremden
befinden sich nach Jung ungefähr 200 Angehörige des Deut
schen Reiches und 600 Oesterreicher. Die vornehmste Unter-
richtsanstalt der Stadt ist das Mädchenpensionat und die Töch
terschule der Kaiserswerther Diakonissen. Die M echitaristen-
A n st a l t, ebenfalls ein Unterrichtsinstitut, erhält von der
österreichisch-ungarischen Regierung eine jährliche Unterstützung
von 550 Gulden unter der Bedingung, daß die deutsche Sprache