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maschinen und moderner Buchungssysteme; Numerierung der Orte,
der Kunden, der Wertpapiere, der Zahlungsmittelvordrucke; Formular-
strenge (einheitliche Formulare usw.). In der Aussprache (vgl. »Berliner
Tagblatt« vom 17. Dezember 1926) gaben die Vertreter der Groß-
banken zu, daß noch manche Reformen notwendig seien, betonten
aber, daß bei den Banken eifrig an der Rationalisierung gearbeitet
werde. Doch wurde erwähnt, daß eine Zusammenarbeit der Banken
zwar im Außenverkehr (Stempelvereinigung), nicht aber im inneren
Verkehr (Vereinheitlichung!) statthabe; jede Bank müsse die für
sie passende Form der Rationalisierung entwickeln. Gegen die
Ortsnumerierung wurde eingewendet, daß bei einheitlicher Nume-
frierung sieben- bis achtstellige Zahlen herauskämen. Die Konten-
numerierüng sei zwar für Amerika günstig, wo die Überweisung
mit Fernschecks eine große Rolle spielt, während bei den deutschen
Banken weit mehr Arbeit dem Effektenverkehr gewidmet werde.
Daher sei die einheitliche Effektennumerierung besonders wichtig
und werde auch durchgeführt, doch müßten auch alle Börsen ein-
heitliche Bezeichnungen und Kurszettel einführen (was doch wohl
keine Unmöglichkeit ist). Die Formularstrenge dürfte auf Hinder-
nisse bei der Kundschaft und bei den kleinen Banken stoßen —
warum? Gerade Sparkassen haben mit dieser Einrichtung gute
Erfolge erzielt. Doch ist die Vereinheitlichung der Formularien
immerhin in Angriff genommen worden. Die neuen bureautechnischen
Maschinen ließen sich meist rationell nur in großen Betrieben ver-
wenden. Sie setzen Beamte frei, aber in nicht allzu großer Zahl,
weil sich auch neue Arbeiten ergeben, wie größere Kontroll-
:ätigkeit der Korrespondenten, intensivere Betriebstätigkeit u. a.!
In bezug auf die Art der Bankgeschäfte ist zu beklagen, daß
viele Institute in Mitteleuropa weit mehr als in den angelsächsischen
Ländern bloße Effekten- und Valutengeschäfte, die mit Spekulation
verknüpft sind, machen, als positive Waren- und KGeschäfts-
Investitions)kreditgeschäfte, daß die Institute daher oft zu wenig
Mittel den produktiven Zwecken der Wirtschaft zur Verfügung
i Es ist sehr anerkennenswert, daß die österreichischen Organisationen der
Bank- und Versicherungsbeamten mit den Industrieangestellten kürzlich
26. Jänner 1928) eine Arbeitsgemeinschaft zum Studium der Rationalisierungs-
fragen gebildet haben. Auch der Vortrag, den Prof. Julius Ziegler in Wien im
Jänner 1928 über Rationalisierung im Bankbetriebe hielt, enthält viel wertvolles
Material.