Full text : Die Deutschen im Auslande

russische  Koloß  scheint  in  einer  gewaltigen  Krisis  begriffen  zu
'sein:  in  seinem  Innern  gährt  es  auf  das  bedenklichste,  sein
Verhältniß  zu  sämmtlichen  benachbarten  Staaten  ist  ein  gespanntes; ­
  was  schon  die  nächste  Zukunft  in  ihrem  Schoße  birgt,
wer  vermöchte  es  zu  wissen?  Wer  weiß  es,  ob  nicht  bald  Ereignisse ­
  eintreten  werden,  welche  die  Zukunft  in  einem  helleren
Lichte  erscheinen  lassen,  als  dieses  gegenwärtig  der  Fall  ist?
Gelingt  es  den  Deutsch-Russen  nicht,  ihre  Nationalität  zu  erhalten ­
  und  ihren  Einfluß  zu  Gunsten  des  gcsammten  Dcutschthums
in  erheblichem  Maße  zu  vermehren,  so  dienen  sie  offenbar  zu
nichts  anderem  als  zu  erneuter  Bestätigung  der  alten  traurigen
Wahrheit:  der  Deutsche  ist  der  schlimmste  Feind  des  Deutschen.
Deutsche  Fabrikanten  und  Werkführer  schädigen  durch  Förderung
-der  russischen  die  deutsche  Industrie,  deutsch-russische  Bauern
haben  nicht  unwesentlich  dazu  beigetragen,  daß  von  Seiten
Rußlands  unserer  Landwirthschaft  die  empfindlichste  Konkurrenz
bereitet  wird,  der  baltische  Adel  versorgte  von  jeher  die  Russen
mit  Generalen  und  Staatsmännern  Man  sollte  denken,  daß
diese  Verdienste  der  Deutschen  um  die  Hebung  der  Wohlfahrt
im  russischen  Reiche  von  den  Russen  gern  und  willig  anerkannt
würden.  Das  ist  jedoch  keineswegs  der  Fall;  der  Russe  haßt
den  Deutschen  im  Allgemeinen.  Das  mag  zum  Theil  auf  nationale ­
  Antipathie,  zum  Theil  auf  Neid  und  Mißgunst  zurückzuführen
  sein,  ein  Hauptgrund  für  den  Deutschenhaß  der  Russen ­
  liegt  offenbar  in  einer  wie  bei  ihnen  so  auch  anderswo
leider  häufig  vorkommenden  Begriffsverwirrung,  indem  die
durchaus  von  einander  verschiedenen  Begriffe  „Nationalität"
und  „Sprache"  mit  einander  verwechselt  werden.  Die  „Kölnische
.Zeitung"  äußert  sich  darüber  wie  folgt:  „Im  westlichen  und
südlichen  Rußland  ist  der  kleine  Mann  völlig  in  den  Händen
            
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