Mexiko. Einen ganz anderen Charakter als in den Ver-
einigten Staaten und in Canada zeigen die deutschen Nieder-
lassungen in dem zum größten Theil innerhalb der heißen Zone
gelegenen Mexiko. Hier finden wir keine irgendwie nennens-
werthe deutsche Ackerbaukolonie, wohl aber spielen hier
unsere Landsleute auf dem Gebiete des Handels eine sehr
hervorragende Rolle. Die deutsche Kolonie in Mexiko ist an
Zahl ihrer Angehörigen freilich klein, an Bedeutung aber groß.
Es mögen im Ganzen zwischen fünf- und achttausend Angehö-
rige der deutschen Nation in Mexiko wohnen, von denen unge-
fähr die Hälfte auf die Hauptstadt, die nächst größte Zahl
auf die Städte Veracruz und Colima kommt. Die großen
deutschen Geschäftshäuser in der Hauptstadt und Veracruz haben
so ziemlich den ganzen Großhandel des Landes in ihren Händen
und verfügen über höchst bedeutende Kapitalien. Sie sind die
Träger des deutschen Einflusses in Mexiko und stehen mit an-
deren deutschen Häusern, wie sie in fast jeder größeren Ltadt
der Republik bestehen, in enger Verbindung. Die meisten die-
ser deutsch-mexikanischen Großsirmen wurden in den Jahren
1826 bis 1835 gegründet, worauf die Deutschen bald im gan
zen Lande den Groß- und Kleinhandel an sich zogen, überall
die Engländer verdrängend. Die reichen Deutschen der Haupt-
stabt bilden eine äußerst exklusive Kaste. Ihr Vereinsgebäude
.bas deutsche Haus" ist eins der stattlichsten Gebäude der
Stadt. Die Deutschen Mexikos bleiben Deutsche, sie lassen ihre
Kinder in der Heimath erziehen und dort ihre Militärpflicht
erfüllen. In der letzten Zeit hat allerdings auf dem mexikam-
scheu Markt sich einige fremdländische Konkurrenz geltend ge-
macht — die Engländer gründeten eine englische Bank, die
Franzosen verdrängten die Deutschen zum Theil aus dem De-