Full text : Schutz dem Arbeiter!

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„Die  Organisation  der  Arbeit  (in  der  einzelnen  Fabrik,  Werkstatt  rc.)  wird
wesentlich  und  im  großen  Ganzen  stets  eine  »monarchische«  sein  müssen;  das
steht  fest.  Eine  andere  aber  ist  die  Frage,  ob  diese  Monarchie  eine  »absolute«
oder  »gemäßigte«  sein  müsse  resp.  könne,  ob  die  bestehende  absolute  Monarchie
nicht  doch  eine  gewisse  constitution  elle  Fortbildung  zuläßt.  Falls  letztere
—  eine  mehr  constitntionelle  Verfassung  —  überhaupt  möglich  und  praktisch  ist,  wird
offenbar  Jeder,  der  liberal,  im  guten  Sinne  des  Wortes,  denkt  und  fühlt,  derselben ­
  den  Vorzug  vor  der  absoluten  geben  und  jeden  dahin  gehenden  Vorschlag
niit  voller  Sympathie  prüfen:  das  können  wir  wohl  von  vornherein  als  selbstverständlich ­
  hinstellen.  Daß  eine  gewisse  Milheranziehung  des  »Volkes«  zur
»Negierung«  eminent  versöhnlich  wirkt,  das  Ehrgefühl  hebt  und  auch  Mißgriffe ­
  der  »Regierung«  seltener  macht,  ist  ebenfalls  klar.  Daß  endlich  eine
gewisse  »Selbstverwaltung«  die  beste  Schule  der  Erziehung  bildet,  das  »Gemeingefühl« ­
  hebt,  sowie  daß  selbst  gegebene,  resp.  mit  berathene  und  durch
selbstgewählte  Organe  ausgeführte  Gesetze  freudigern  Gehorsam  finden,
als  »octroi)irte«,  kann  auch  wohl  zu  den  »ausgemachten  Wahrheiten«  unserer
Zeit  gerechnet  werden.  In  allen  diesen  Beziehungen  fragt  es  sich,  ob  das,  was
sonst  anerkannte  Wahrheiten  find,  auch  für  das  wirthschaftliche  Leben,  speciell  für
bie  Fabrik  gilt;  mit  andern  Worten:  ob  das  Ideal  einer  constitutionellen  Verfassung ­
  —  denn  es  muß  nicht  bloß  als  ein  zu  erstrebendes  Ziel  überhaupt,  sondern ­
  auch  als  das  unserer  Zeitperiode  besonders  eigenthümliche  Ideal
bezeichnet  werden  —  auch  in  der  Fabrik  praktisch  werden  kann,  unter  welchen
bl  instünden  und  in  wie  weit."
Ein  gewisses  M  itverw  alt  u  ngs  recht  der  Arbeiter  in  genau
umgrenztem  Rahmen  ist  nicht  bloß  ein  in  sich  berechtigtes  Ideal,  dem
seder  wirklich  liberal  Denkende  seine  Sympathie  entgegenbringen  muß,
sondern  auch  die  beste  praktische  Schule  für  die  Arbeiter,  um  das
Bahre  und  Falsche  in  der  Social  -  Demokratie  zu  scheiden,  —
die  Schwierigkeiten  und  Grenzen  einer  demokratischen  Ordnung  zu
würdigen;  ist  das  beste  Mittel,  die  Arbeiter  zu  lehren,  sich  auf  nächste,
praktische  Ziele  zu  concentriren,  an  die  Stelle  der  bloßen  Kritik
positive  Vorschläge  zu  setzen,  auch  den  Anschauungen  des  „Gegners"
gerecht  zu  werden,  überhaupt  das  Gebiet  der  allgemeinen  Theorien  und
Phrasen  zu  verlassen  und  sich  ehrlich  auf  den  Boden  positiven  Schaffens
stellen.
Die  Gefahr  der  Socialdemokratie  liegt  in  der  Unbestimmtheit
ihrer  Ziele.  Die  Arbeiter  müssen  lernen,  nächste,  erreichbare,
praktische  Ziele  verfolgen  —  nicht  allgemeinen  Phantomen  nachzulegen, ­
  die  nicht  realisirbar  sind  und  wohl  Unzufriedenheit  wecken,  wohl
ben  Umsturz,  aber  nicht  eine  Besserung  der  Verhältnisse  bringen.  Die
Arbeiter  müssen  zweitens  lernen:  Selbstkritik,  Selbstordnnng.
Die  Selbstverwaltung  ist  die  beste  Schule  der  „Selbstzucht."  Die  Arbiter ­
  müssen  die  Schwierigkeiten  kennen  und  allmälig  überwinden
            
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