Full text : Schutz dem Arbeiter!

lernen,  die  in  ihren  eigenen  Reihen  bestehen  —  den  Geist  der
Auflehnung  und  Herrschsucht,  des  Mißtrauens,  der  Selbstsucht, ­
  den  Mangel  an  Gemeinsinn  rc.,  kurz  alle  die  Dinge,  welche
das  sociale  Leben  nun  einmal  hienieden  verbittern  und  der  Verwirklichung
aller  Ideale  der  Menschenfreunde  stets  entgegenstehen.  In  demselben
Maße,  als  die  Arbeiter  diese  an  ti  soci  alen  Eigenschaften  in  der
„Selbstverwaltung"  kennen  lernen  und  überwinden,  werden  dieselben  auch
für  die  weitere  Ausdehnung  der  „Selbstverwaltung"  reif,  wird  der
Boden  für  ein  friedliches  Zusammenwirken  von  Arbeitgeber  und  Arbeiter
weiter  geebnet.
Was  ist  der  Inhalt  der  socialen  Kämpfe  der  Vergangenheit
wie  der  Gegenwart  anders  als  die  Erringung  des  Mitbestimmungsrechtes, ­
  sei  es  in  der  politischen,  sei  es  in  der  wirthschaftlichen
Ordnung?  Was  ist  die  sociale  Politik  anders,  als  mit  Weisheit,
Umsicht  und  Mäßigung  diesem  Ringen  entsprechend  den  Fortschritten  der
Cultur  Rechnung  zu  tragen  und  gesetzgeberisch  das  Gebiet  der  Mit'
Verwaltung  stetig  zu  erweitern?  In  demselben  Maße,  als  dieses  gelang,
als  die  herrschenden  Klassen  Weisheit  und  Selbstlosigkeit  genug  besaßen,
diesem  Streben  ehrliche  Unterstützung  zu  leihen,  als  die  abhängigen
Klassen  es  verstanden,  mit  Ausdauer,  Mäßigung  und  praktischem  Sinn
diesen  Kampf  zuführen,  wurden  Katastrophen  vermieden,  gereichten
die  Fortschritte  der  „Freiheit"  der  ganzen  Gesellschaft,  den  herrschenden
wie  den  beherrschten  Klassen  zum  Segen.  Das  ist  die  Lehre  der
Geschichte,  —  möchte  sie  beherzigt  werden.
Aufsaugung  der  kleinen  selbständigen  Unternehmungen
durch  die  „Fabrik"  —  das  ist  der  erste  Theil  der  wirthschaftlichen
socialen  Entwickelung;  möglichste  Wiede  rerri  ngung  der  Freiheit  und
Selbstbestimmung  resp.  möglichste  Begrenzung  der  absoluten
Herrschaftssphäre  der  Fabrik  resp.  ihrer  Direction  ist  der  nothwendig
folgende  zweite  Theil.  Die  Grenzen  zwischen  Herrschaft  und  Freiheit
richtig  zu  ziehen,  ist  das  zu  lösende  Problem.  Wo  diese  Grenze  liegt,  wie
dieselbe  heute  festzulegen,  darüber  kann  man  streiten,  —  diese  Entscheidung
wird  fick)  sogar  sehr  verschieden  gestalten  je  nach  dem  Stande  der
industriellen  Entwickelung  und  Cultur;  —  aber  daß  bei  dem  in
allen  Culturstaaten  steigenden  Klassenbewußtsein,  bei  den  an  Umfang ­
  und  Verbitterung  wachsenden  Klassen  -  Kämpfen,  speciell  in
einem  Staate,  der  auf  der  allgemeinen  Schul-  und  Militai  rpfli  ch  t
und  dem  allgemeinen  Stimmrecht  sich  aufbaut,  ein  ab  so  luti'
stisches  Regiment  nicht  mehr  möglich  ist,  darüber  sollte  doch
kein  Zweifel  mehr  sein.  Jede,  ob  gewaltsame,  ob  mehr  „Patriarch^"
            
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