und unberechtigte Klagen, Mißverständnisse und falsche Urtheile dort
herrschen, wie Verleumder und Hetzer sich dort einzuschleichen wissen und
Haß und Unzufriedenheit schüren. Der Feind ruht nicht und selbst aus
bem Lande findet die social-demokratische Saat dankbaren Boden. So
îuird, ohne daß der Arbeitgeber etwas ahnt, der Boden unterwühlt, bis
Eines Tages ein Strike oder eine überraschende Anzahl social-demokra-
ìischer Stimmen die Kluft klarlegt, die sich zwischen Arbeitgeber und
Arbeitern aufgethan.
Wahrheit, Offenheit, ehrliche gegenseitige Anssprache ist die erste
Bedingung eines ehrlichen Friedens. Der Arbeitgeber muß den Arbeitern
Ģ ele g en heit, Muth und Vertrauen geben, daß sie sich ehrlich
uns sprechen — das ist die wichtigste und schwierigste Aufgabe, die
ber Arbeitgeber zu losen hat bei Schaffung des Aeltesten-Rathes. Wenn
ber Arbeitgeber es ehrlich mit den Arbeitern meint, ehrlich deren Wünschen
Rechnung zu tragen sucht, dann werden die Arbeiter auch dieses Ver
trauen rechtfertigen und wohlgesinnte Arbeiter in den Aus
schuß wählen — um so mehr, wenn dieser Ausschuß mit Aufgaben
îameradscbaftlicher Fürsorge (als Vorstand einer Krankenkasse, Unter*
üützungskasse rc.) betraut ist. Aber selbst wenn es ein Mal anders
werden sollte: wenn Socialdemokraten, unzufriedene Elemente, Trunken
bolde rc. gewählt würden, so ist das immer noch besser, als wenn die
Zähren Gesinnungen der Arbeiter verborgen geblieben wären.
@8 ist ein Beweis, daß es höchste Zeit ist, den Versuch zu machen,
bas Verhältniß anders zu gestalten wie hisher. Meistens wird sich auch
hier bewähren, was sich im Gemeinde- und Vereinsleben schon oft be
währt hat: das beste Mittel, Kritiker zu curiren, ist, sie zu wählen,
heranzuziehen zur positiven Arbeit. Möge der Arbeitgeber nur den ernst-
ļìchen Versuch machen — es müßte wunderbar sein, wenn nicht der ehr-
ļìche Wille, den Arbeitern gerecht zu werden und ihnen eine selbstlose
Fürsorge zuzuwenden, bald begriffen und dankbar anerkannt würde.
Nichts nähert mehr, als gemeinsames Rathen und Thaten; während
Umgekehrt nichts gefährlicher ist, als wenn zwei streitende Parteien sich
şremd werden, jede ihre Wege geht, sich immer mehr in ihre einseitige
Beurtheilung hinein verbohrt, und jedem Hetzer und Verleumder willig
bas Ohr leiht. Hier liegt das Geheimniß der Macht der Social-
bemvkratie — in der Trennung der Arbeiter vom Arbeitgeber; hier
^gt auch das Geheimniß wirksamer Bekämpfung: Arbeitgeber und
Arbeiter zusammenzuführen, recht viele Gebiete gemeinsamer Arbeit
äü schaffen. Und solcher Gebiete gibt es reichlich.
Die Socialdemokratie stützt sich auf die Gegensätze der Interessen
bau Arbeitgebern und Arbeitern, stellt diese in den Vordergrund,