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Vorzeichen Platz machen.*) Besonders plastisch offenbart sich
die Rolle der Gewalt in den „kritischen Epochen“, „Die Kriege
und Revolutionen sind die Lokomotiven der Geschichte.“ Und
diese beiderlei „Lokomotiven“ stellen Formen — und dabei am
schärfsten ausgedrückte Formen der Gewalt dar, Marx schrieb
über den Uebergang vom Feudalismus zum Kapitalismus: „Diese
Methoden beruhen zum Teil auf brutalster Gewalt, Zum Bei
spiel das Kolonialsystem. Alle aber benutzten die Staatsmacht,
die konzentrierte und organisierte Gewalt der Gesellschaft, um
den Verwandlungsprozeß der feudalen in die kapitalistische
Produktionsweise treibhausmäßig zu fördern und die Uebergänge
abzukürzen. Die Gewalt ist der Geburtshelfer jeder alten Ge
sellschaft, die mit einer neuen schwanger geht. Sie selbst ist
eine ökonomische Potenz.“** ***) )
In der Uebergangsperiode, wo eine Produktionsstruktur von
einer anderen abgelöst wird, ist der Geburtshelfer die revo
lutionäre Gewalt, Diese revolutionäre Gewalt muß die Fesseln
der Entwicklung der Gesellschaft sprengen, d, h. einerseits die
alten Formen der „konzentrierten Gewalt“, die zu einem konter
revolutionären Faktor geworden sind, den alten Staat und den
alten Typus der Produktionsverhältnisse, Diese revolutionäre
Gewalt muß andererseits aktiv die Bildung neuer Produktions
verhältnisse fördern, indem sie eine neue Form der „konzen
trierten Gewalt“ schafft, den Staat der neuen Klasse, die als
Hebel der wirtschaftlichen Umwälzung wirkt und die ökono
mische Struktur der Gesellschaft- verändert.**) Einerseits spielt
*) Vergl, darüber Fr. Engels; „Herrn Eugen Dührings Umwälzung der
Wissenschaft”, Stuttgart 1914, S. 191—-192. Ebenso Fr, Engels: „Gewalt
und Oekonomie" etc. (geplanter vierter Teil über die „Theorie der Gewalt“,
veröffentlicht von Bernstein in der „Neuen Zeit“ gleich nach dem Tode
Engels'.
**) Karl Marx: „Das Kapital“, Band I, Volksausgabe, S. 680.
***) Kautsky, Bauer und tutti quanti lehnen mit Empörung und Abscheu
die Gewalt ab, von wo sie auch immer kommen mag. Anders verhielten