Full text : Schutz dem Arbeiter!

durch  Zurückführung  der  Frau  und  Mutter  an  den  häuslichen
Herd,  an  die  Wiege  ihres  Kindes,  durch  Sicherung  der  häuslichen
Erziehung  der  Kinder,  durch  Wiedereinsetzung  der  elterlichen  Autorität. ­
  Geben  wir  dem  Arbeiter  wieder  das  Glück  der  Häuslichkeit,
daß  er  seiner  Familie  wieder  froh  werde:  durch  gesetzlichen  Schutz  des
Sonntags,  durch  Sicherung  des  „Feierabends".
Die  Socialdemokratie  bekämpft  das  bestehende  Eigenthum.  Des
Arbeiters  „Capital"  und  Eigenthum  ist  seine  Arbeitskraft.  Schützen
wir  dieses  „Eigenthum"  durch  ein  Arbeitsrecht,  geben  wir  dem
Arbeitenden  Beweis,  daß  sein  „Arbeitsrecht"  uns  gerade  so  hoch  und  heilig
ist,  uns  eben  so  sehr  und  mehr  am  Herzen  liegt,  als  das  Recht  der
Besitzenden  —  das  ist  die  beste  Stärkung  des  Rechtsbewnßts  eins,
und  der  bestehenden  Ordnung.
Wenn  alle  Factoren,  Gesellschaft  und  Staat,  Kirche  und  Schule,
Arbeitgeber')  und  Arbeiter  in  diesem  Sinne  zusammenstehen,  ihrer  Pflicht
bewußt,  dann  —  aber  auch  nur  dann  —  werden  die  sittlichen  und  gesellschaftlichen ­
  Gefahren,  welche  in  der  modernen  Entwickelung  liegen,
überwunden  werden.
Staatliche  Maßnahmen  allein  reichen  nicht  aus  —  auch  „der
freien  Liebesthätigkeit  der  Kirche  und  Schule  verbleibt  ein
weites  Feld  segensreicher  Entfaltung,  durch  welche  die  gesetzlichen
Anordnungen  unterstützt  und  befruchtet  werden  müssen,
um  zu  voller  Wirksamkeit  zu  gelangen."  (Kaiser  Wilhelm  II.)
Die  Kirche  muß  den  Boden  bereiten  in  den  Herzen  der  Menschen: ­
  daß  die  Arbeitgeber  in  hochherzigem  Sinne  die  gesetzgeberischen
Anordnungen  und  Institutionen  aufnehmen,  ehrlich  bestrebt  sind,  den
wohlwollenden  Absichten  gerecht  zu  werden,  die  Institutionen  im  Geiste
christlicher  Gerechtigkeit  und  Nächstenliebe  auszubauen;  daß  die
Arbeiter  mit  Dank  und  Bereitwilligkeit  die  guten  Absichten  aufnehmen,
gern  bereit  sind,  das  Unzureichende  aller  menschlichen  Einrichtungen  anzuerkennen, ­
  auch  ihrerseits  ehrlich  mithelfen,  den  Weg  zum  Frieden
zu  bahnen.  Das  Christenthum  muß  das  Gefühl  der  Pflicht  wecken,  die
sittliche  Erziehung  sichern,  die  socialen  Tugenden  pflegen,  welche
das  Glück  und  den  Frieden  in  Staat,  Gesellschaft  und  Familie  bedingen.
Nur  eine  v  o  m  Geiste  des  Christenthums  getragene  Social-Reform
  wird  den  socialen  Frieden  verbürgen.  Deus  providebit!
)  Vergi.  „Pflichten  und  Aufgaben  der  Arbeitgeber  in  der  Arbeit  erfi
  ag  e.  Zugleich  als  Antwort  auf  die  verwandten  Schriften  der  Herren  Oechelhäuser  und
Avesicke.  (Sonderabvruck  aus  „Arbeiterwohl"  .  Köln,  I.  P.  Bachem,  1888.
            
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