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gehören, und anderseits noch große Gebiete bestehen, denen die segens
reiche Wirkung der Konsumvereine überhaupt noch unbekannt ist.
Dabei ist mit dein Austritt der Konsumvereine aus dem „Allgemeinen
Verbände" zu rechnen. Eine verdienstvolle Aufgabe für den Reichs
verband würde es sein, die vielen deutschen Beamtenkonsumvereine ein
heitlich zu organisieren, worauf der Verband auch scheinbar Gewicht
legt. Ueberhaupt fehlte bis heute eine Organisation, die auf Grund
ihrer ganzen Zusammensetzung geeignet war, in die bürgerlichen
Schichten einzudringen. Wenn dies dem „Reichsverbande deutscher
Konsumvereine" gelingen sollte, so kann man ihn gewiß nicht der
„Zersplitterung" bezichtigen. Der Deutsche sieht in allem die Partei.
Da aber, wie es das Wort Partei schon voraussetzt, mehrere Parteien
bestehen, so ist es auch nicht möglich, daß ein und dieselbe -Organisation
alle Parteien für die Idee der Konsumgenossenschaft in Deutschland
und vielleicht auch anderswo gewinnt. Die Folge ist, daß mehrere
Zentralorganisationen entstehen. Allerdings verstößt man damit gegen
das ökonomische Prinzip, und es ist anzunehmen, daß letzteres mit
seiner alles durchdringenden Kraft am Ende doch noch einen Aus
gleich in irgendeiner Weise schaffen wird?°n)
Die Einrichtungen des „Reichsverbandes" sind natürlich noch im
to a) Zur Klärung der Parteifrage erwähne ich noch, daß der Vorwurf,
der dem Zentralverbande gemacht wird, eine rein sozialdemokratische Orga
nisation zu sein, unrichtig ist. Er hat mit der sozialdemokratischen Partei
als solcher nichts zu tun, sondern ist eine Organisation für sich. (Die
belgischen Konsumvereine sind dagegen das Werk von Parteien und stehen
in ihrem Dienste.) Sozialdemokratisch gesinnt ist nur ein großer Teil der
Mitglieder der Konsumvereine des Zentralverbandes. Sv ■ kommt es, daß
die meisten dieser Konsumvereine und ihre übergeordneten Organisationen
eine sozialdemokratische Verwaltung haben und auch freundschaftliche Be
ziehungen zur sozialdemokratischen Partei pflegen. Damit entsteht die Gefahr,
immer engere Beziehungen zur Partei anzuknüpfen. Führende Männer im
Zentralverbande sind bemüht, dem aus dem Wege zu gehen. Ob das immer
möglich sein wird, und ob es bis heute schon immer möglich war, ist eine
andere Frage, deren Erörterung den Rahmen dieser Arbeit überschreitet.
— Dem Reichsverbande wird zum Borwurf gemacht, sich der Zentrumspartei
zu sehr zu nähern und damit ebenfalls seine Neutralität zu verletzen. Dieser
Vorwurf ist noch weniger berechtigt als der vorige. Die Zentrnmspartei
stützt sich im Gegensatz zur sozialdemokratischen Partei auf einen sozial und
wirtschaftlich sehr ungleichartigen Wählerkreis. Der eine Abgeordnete ist
Anhänger der Konsumgenossenschaften, der andere ist ihr Gegner. Es
ist deshalb unmöglich für den Reichsverband, mit der Zentrumspartei ein
Bündnis zu schließen. Er ist vielmehr, wenn er nicht zurückgehen will, auf
mehrere Parteien angewiesen, mit anderen Worten, er ist zur Neutralität
gezwungen, wenn nicht ganz, so doch teilweise.