Full text: Urtheile der deutschen Handelskammern über Zollpolitik und Handelsverträge

„Diesem Wunsche »ach einer ten Uebergang in neue Verhältnisse erleichternden 
Bestimmung hat der Reichstag durch die Verabschiedung deo Gesetzes betreffend 
die Anwendung der vertragsmäßigen Zollsätze auf Getreide, Holz und Wein vem 
30. Januar 18% entsprochen." 
<i. Provin; Schlesien. 
Handelskammer zu Breslau. 
„Das Zustandekommen der Handelsverträge ist für uns namentlich um des 
willen ein freudig zu begrüßendes Ereigniß, weil dadurch die Bahn der autonomen 
Tariferhöhungen definitiv verlassen und für eine längere Reibe von Jabren den 
Industriellen und Kaufleuten die Sicherheit gegeben ist, daß sic durch plötzliche 
Heraufschraubungeu der deutschen Eingangszölle oder de» Zollschranken jener Länder, 
mit denen wir in besonders lebhaftem Waarenaustausch und im Bertragoverbältniß 
stehen, nicht überrascht werten können. Allerdings sind in beiden Richtungen die 
Tarifzugeständnisse, welche bei Vereinbarung der neuen Handelsverträge gemacht 
wurden, unseres Erachtens ungenügend. Ohne uns mit der Ansicht befreunden 
zu können, daß eine Rückkehr zu radikal-sreibändlerischen Grundsätzen der deutschen 
Weltwirtbschaft in diesem Augenblicke zuträglich sein würde, müssen wir beklagen, 
daß der deutsche Tarif in vielen Abtheilungen noch Hochschutzzölle enthält und 
einräumen, daß es vortheilbaft wäre, eine Herabminderung dieser Zollpositionen 
zum Compensationsobject bei weiteren Tarifnachlässen unserer Nachbarn zu machen. 
Aber dieser principielle Standpunkt hii.dert nns nicht, dankbar anzuerkennen, daß 
durch den Abschluß der neuen Handelsverträge in bedeutsamer Weise endlich ein 
Anfang gemacht i>t, um ans der Hochschutzzöllnerei hüben und drüben wieder 
herauszukommen." 
Handelskammer für Stadt und Ureis (tzörlist. 
mit dem 1. Februar 1892 in Wirksamkeit tretende» Handelsverträge 
werden zwischen den die Verträge schließenden Staaten hoffentlich einen lebhaften 
Verkehr zur Folge haben. Von handelspolitischem Werthe würde es sein, wenn 
in den Verträgen eine Bestimmung angenommen würde, daß Fragen über die 
Auslegung und Anwendung der Tarifsätze im Streitfälle durch eine dazu berufene 
Commission zu entscheiden seien Wünschenswertb wäre es, wenn auch der Handel 
mit den Landern der untere» Donau und mit Spanien durch Verträge Erleichte- 
rungen erführe." ' 
Handelskammer für die Kreise Hirfchberg und Schönau. 
„Nichtsdestoweniger dürfen wir hoffen, daß den schlechten Zeiten auch wieder 
einmal bes,ere folgen werden und hierin unterstützen uns vor allen Diuaen rwei 
Maßnahmen der .Reichsregierung: der Abschluß der Handelsverträge mit Oesterreick 
Ungarn. Italien, der Schweiz und Belgien, denen hoffentlich bald weitere folien 
werden, fsiehe jedock die Mittheilungen über die Lage der Papierindustrie VII Ñ 
welche unserem Hantel auf eine lange Reibe von Jabren die so dringend benöthigte
	        
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