Handelskammer für die Kreise Schweidnitz, Neichen bach, Striegau
und Waldenburg.
„Das sür unsere Gewerbethätigkeit bedeutendste Ereignis des Jahres 1891 ist
ohne Frage der Abschluß der neuen Handelsverträge. Auf die Wichtigkeit der
selben für eine gesicherte Entwicklung der Industrie namentlich auch in Rücksicht
auf die längere Verpflichtung, eine größere Anzahl Zölle nicht zu erhöben, haben
wir schon in unserem letzten Jahresberichte hingewiesen, batten uns doch die sprung
weisen Veränderungen in der Zollgesetzgebung unserer Nachbarländer in dem letzten
Jahrzehnt hinreichend über die Gefahren der autonomen Zollgesetzgebung belehrt!
Allerdings hatten wir nicht erwartet, daß die neuen Verträge, wenigstens für
unseren Handelskammerbezirk, gar so wenig Vortheile bieten würden. Was den
Handelsvertrag mit Oesterreich-Ungarn betrifft, welcher für uns in erster Linie
steht, so haben die bisherigen Verhältnisse der Textilindustrie keine Veränderungen
erlitten, was unsererseits auch weder erwartet, noch beansprucht wurde; nur bedauern
wir es aufrichtig, daß es nicht gelungen ist, den Veredlungsverkehr wieder ein
zuführen, der früher unsere Grenzgegenden in so hohem Grade belebt hat. Unsere
chemische Industrie erwartet in ihren Artikeln — Säuren, chromsauren Salzen
u. s. w. — von dem Handelsverträge keine wesentliche Besserung ihres Absatzes.
Ebenso unsere Eisengießerei und Maschiuenfabrikation. Es werden von derselben
sogar Klagen darüber laut, daß Oesterreich bei dem jetzigen Daniederliegen dieser
Industrie im eigenen Lande den Versuch macht, mit seinen Eisenfabrikalcn in ver
stärktem Maße bei uns zu kcnkurrircn. Am bedenklichsten erscheinen unserer
Porzellanindustrie die gegenseitigen Herabsetzungen der Eingangszölle Dieselbe
hat schon bisher die Konkurrenz Oesterreichs schwer empfunden, und fürchtet, daß
die Zollveränderungen zu ihrem Nachtheile ausschlagen werden; sie fürchtet, daß
die deutschen Herabsetzungen die PozcUaneinfuhr aus Oesterreich wesentlich ver
mehren, die österreichischen Zollverringerungen es ibr aber nicht ermöglichen werden
größeres Terrain in Oesterreich zu gewinnen. Bei dem Zollvertrage mit Italien
bat die mit demselben verbundene Erhöhung des italienischen Eingangszolles für
leinene Garne und Gewebe ernste Bedenken erregt, weniger wegen des direkten
Verkehrs, den unser Bezirk mit Italien hat. der nicht sehr bedeutend ist, als wegen
der Rückwirkung, welche der verringerte Absatz der süddeutschen Leinenindustrie nach
Italien auf die unsrige voraussichtlich haben wird. Diese Bedenken sind in noch
viel erhohterem Maßstabe gegenüber dem Handelsverträge mit der Schweiz ans
getreten, der allerdings mehrfach als eine schwere Schädigung unserer bisherigen
Verkehrsverhältnisse mit derselben erscheint, wenn nicht in Betracht gezogen wird
daß die Schweiz zu gleicher Zeit mit dem Abschlüsse des Handelsvertrages den
Nebergang z» einem erhöhten Schutzzollsystem vollzog."
7. provin; Lachsen.
Handelskammer zu Erfurt.
«Unter der Ungunst der Verhältnisse, welche die Gegenwart bot. haben wir
mit Dank zwei Acte der inneren und der internationalen Gesetzgebung unserer
Reicksregicrungen als eine Bürgschaft für eine bessere Zukunft begrüßt wir meinen
den Erlaß des Gesetzes vom 1. Inni 1891, betreffend die Abänderung der Gewerbe-
ordnung und des Gesetzes vom 29. Juni 1891, betreffend die Errichtung von Ge-