Object: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

120 Neuntes Buch. Erstes Kapitel. 
die emporziehtn; und auch auf politischem Gebiete sind die 
Tage Friedrichs J. und Heinrichs VI. scharf von denen Lothars 
und Konrads III. geschieden. 
Konrad III. scheint bei seinem Tode am Fortbestande des 
Reiches verzweifelt zu haben, falls nicht ein Nachfolger gefunden 
würde, der mit Energie die seit lange streitenden Interessen der 
Welfen und Staufer zu schlichten verstünde; darum designierte 
er den Herzog Friedrich von Schwaben, einen Urenkel Kaiser 
Heinrichs IV., einen rechten Vetter Heinrichs des Löwen zum 
König; den Saliern entsprossen, den Welfen verwandt, schien 
er die Gewähr der Herrschaft und Versöhnung schon als 
Wiegengeschenk erhalten zu haben. 
Friedrich nahm sich seiner Wahl vermutlich mit ganzer 
Seele an; von den Welfen, deren norddeutscher und süddeutscher 
Zweig damals in Zwist lag, gewann er den wichtigeren nord— 
deutschen, vertreten in Heinrich dem Löwen, wohl durch Aus— 
sichten auf die Rückgabe des Herzogtums Baiern. So ward 
er am 4. März 1152 einstimmig zu Frankfurt gewählt und 
fünf Tage darauf zu Achen gekrönt. 
Friedrich war schon seiner äußeren Perfönlichkeit nach ganz 
ein Kind der kommenden Zeit. Er besaß nicht die imponierende 
Gestalt und die heroische Haltung der alten Salier; zierlich, 
von mittlerer Größe, war er ein Typus der ritterlichen 
Gesellschaft seiner Tage. Und auch in seinen Umgangs— 
formen und Charaktereigenschaften entsprach er dem ritter— 
lichen Ideal der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts: fein, 
liebenswürdig, leutselig, freigebig, von ehrlichem, bisweilen 
etwas abenteuerlichem Ehrgeiz, schlagfertig in Rat und That 
hätte er wohl der Schilderung eines Romanhelden Hartmanns 
von Aue oder Wolframs von Eschenbach zum Vorbild dienen 
können. 
Die ersten politischen Schritte des neuen Herrschers mußten 
darauf hinauslaufen, jene großen Fürstengeschlechter unter sich 
zu versöhnen und dem gemeinsamen Reichsgedanken zu gewinnen, 
Vgl. Genaueres unten S. 166 ff.
	        
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