Full text: Zur Psychologie des Anlernens und Einübens im Wirtschaftsleben

vr rigkeiten, ich kann das einfach nicht recht.» Der Betreffende hatte 
7 4 Jahre Lehrzeit hinter sich und war trotz hinlänglicher Uebung nicht 
dazu gekommen, richtig feilen zu können, Das hätte aber vor dem 
d Eintritt in die Lehre durch eine psychotechnische Prüfung leicht fest- 
gestellt und vorausgesehen werden können. 
r Für das Anlernen ist also wichtig, daß der Instruierende, der den 
ts Anfänger zum Beispiel in der richtigen Führung der Feile anleiten soll, 
+ in diesem Falle sich erstens auf das Vorhandensein eines gut entwik- 
1 kelten Bewegungsfeingefühls verlassen kann. 
Dazu kommt zweitens, als nicht minder wichtige natürliche Fähig- 
h keit, das Druckfeingefühl. Um feilen zu können, muß der Arbeiter 
n außer der richtigen Bewegung der Feile einen bestimmten variablen 
Tr Druck auf die Feile ausüben. Von der Anfangsstellung der Vorwärts- 
n bewegung der Feile aus muß der Druck mit der linken Hand auf die 
un Feile allmählich zunehmen; in der Mitte der Bewegung ist er maximal 
# und auf beide Hände gleichmäßig verteilt; am Ende der Bewegung nimmt 
. der Druck wieder allmählich ab bis auf Null. Damit die Feile nicht 
umkippt, übernimmt die rechte Hand schließlich den Druck allein, wie 
’ dies die folgenden Figuren veranschaulichen. Die Druckverteilung muß 
B | - JA 
So sein, daß das Moment um die Auflagefläche immer gleich Null ist, 
also zum Beispiel bei Vernachlässigung des Gewichts der Feile 
a. Az b.B,. 
Wobei selbstverständlich A + B gleich der Reaktion R sein muß. A be- 
deutet die nach unten gerichtete Druckkomponente der linken Hand, 
B diejenige für die rechte Hand; a und b stellen die entsprechenden 
Hebelarme oder Distanzen bis zur momentanen Auflagestelle dar. R 
geht von nahe Null über ein Maximum bis wieder nahe auf Null zurück. 
Wenn der Arbeiter diese Druckverteilung richtig ausüben soll, so ist 
Natürliche Vorbedingung, daß er überhaupt über Empfindungen verfügt, 
die ihm Aufschluß über den jeweils ausgeübten Druck geben können. 
Die natürliche Fähigkeit, die dahinter steht, ist die Unterschiedsemp- 
findlichkeit für Druckempfindungen. 
Sowohl das Bewegungsfeingefühl wie die Druckempfindlichkeit kön- 
nen psychotechnisch vollständig zuverlässig auf den Grad ihrer Entwick- 
lung‘ untersucht werden. so daß man beim Anlernen des Feilens von 
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