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Die gewerblichen Zustände im i8. Jahrhundert.
1 Eckaidt, Livland im 18. Jahrhundert. 1, S. 452.
7. Die gewerblichen Zustände im achtzehnten
Jahrhundert.
Die St. Johannis-Gilde in Riga. — Ihre Älterleute seit 1612. - Betheiligung
der Handwerker am städtischen Regiment. — Die Ämter in Riga, Reval, Dorpa
— Missstände in Riga. — Missstände in Dorpat. - Die Einführung von Zün
in Russland durch Peter den Grossen. — Die Stellung Catharina II. zu
Ämtern in Riga.
So blieb denn einstweilen alles beim Alten, und auch das nun
kommende Jahrhundert unter russischer Herrschaft wies keine nam
haften Veränderungen der Gewerbeverfassung auf. Erfreute sic
während der ersten siebzig Jahre des achtzehnten Jahrhunderts m
rigische Stadtverfassung eines unveränderten, nirgend beeinträch
tigten Fortbestandes h so galt das gleiche für die Ordnung ®
Handwerkerverhältnisse. Nur der Unterschied machte sich gelten
dass während man mit der ersteren alle Ursache hatte zufrie en
zu sein, in der letzteren sich viele Unzuträglichkeiten eingeschlichen
hatten, die seit lange gebieterisch Abstellung forderten.
Wie schon aus den vorhergehenden Schilderungen bekannt,
bildeten sämmtliche deutsche Handwerker die sogen, kleine oder
St. Johannis-Gilde. Nur die Uhrmacher und Goldschmiede gehörten
als Künstler der grossen Gilde an. Die Verfassung der kkitm^
Gilde war dieselbe wie in den Ämtern. Die Aufnahme m
Korporation knüpfte sich an den Nachweis der ehelichen Geburt,
evangelischer Konfession, deutscher Herkunft, der ordnungsmässige
Erlernung des Gewerbes u. s. w. Den Vorstand bildeten ein Alt« ^
mann und zwei Beisitzer und die sogen. Ältestenbank wurde aU
gewählten Vertretern der einzelnen zur Gilde gehörenden Ämtern-
vermuthlich in erster Linie deren Ältermänner oder Beisitze -
zusammengesetzt. ^
Die Lage der kleinen Gildestube ist sehr wahrscheinlich an
derjenigen Stätte zu suchen, auf der sie sich heute befindet.
Angabe, dass sie sich in oder nahe der „hinkende scroder strate^
befunden hätte, mag noch angeführt werden. Auch wissen
aus den ältesten Aufzeichnungen der kleinen Gilde, dass zu
des vierzehnten Jahrhunderts bereits langwährende Streitigkeit^^
mit den Nachbarn der Gilde, den Franziskanern zu St. Kathariu