D. Bekämpfung des Gebhurtenrüdganges 187
mehr al8 vier Kindern auf 5 Prozent herabmindert und bei mehr als fünf Kindern
zanz unerhoben bleiben {oll. —
Die Berückfichtigung der Kinderzahl bei der Beftenerung von Ein-
fommen und Vermögen im Reihe wie in den Einzeljtaaten und Gemein-
den ift um fo mehr gerechtfertigt, als fo wenigjten3 ein gewijjer Ausgleich
gefchaffen wird gegenüber den indirekten Steuern: Finanz
und Schubzöllen, SGebäudefteuer ufjw., die den Familienvater
befonder3 treffen, und zwar um fo Härter, je ärmer die Familie
und je größer die Zahl der Kinder ift. Sewip kann bei den gewaltigen
finanziellen Anforderungen des Deutidhen Reiches auf die Konjumfteuern
nicht verzichtet werden, und Branntwein, Bier, Tabak und jonjtige Genuß-
mittel des Mannes werden in Zukunft vielleicht nodh ftärfer „Dluten“ müffen
al8 vor dem Kriege, aber um fo mehr follten die Nahrungs und SGenuß-
mittel, die vor allem in der Familie verzehrt und beburft werden, ver]dhont
werden. Daß das Deutidhe Reich für feine Bedürfuiffe 3. B. jährlich (1913)
etwa 114 Millionen Mark von Kaffee, Tee und Kakao (1,68 K auf den
Kopf der Bevölkerung), 182 Millionen (2,70 M) für Zuder und 64 Millionen
(95 Bf.) vom Salz einnimmt, paßt wenig in den Rahmen einer zielbewußten
Bevölferungspolitik. Dabei wird gern zugegeben, daß 3. B. die Aufhebung
der Betroleum- und Salzitener nicht auch fhon eine ent\predende Gerab-
jebung der Preije bedeuten würde, und daß diejer Umftand finanzpolitifd
mit zur Erwägung Iommen muß. Bon den Finanzzöllen zu unter]heiden
find die Schuß z5ölle für Getreide, Vieh, Fleifd) ujw., die der Stärkung
der Heimifhen Produktion dienen und damit auch wieder
der Ernährung und dem Schube der nationalen Arbeit und Kaufkraft
zugute fommen.
Bu einer gerechten Befteuerung gehört au die rechte Berte is
(ung der Laften zwifden Reid, Einzelitaaten und Ge
meinden. Bom Standvunkt der Bevölferungspolitik muß hier vor allem
die jtarfe Belaftung der Landgemeinden als ungerecht und bedenk-
lid) angefehen werden. Das platte Land ft die Lebensquelle der Städte.
Diele erhalten und vergrößern fid durch den Zuftrom vom Lande. Das
Rand muß die ganzen Koften und Mühen der Kinderpflege und Erziehung
auf fich nehmen, die Fndufirie und die Städte ziehen dann die arbeits
Fräftig gewordene Jugend an fich und nüßen fie aus. So wiegen auf
dem Lande die unproduktiven Lebensalter — Jugend
und Alter — vor, mährend die Städte die arbeitskräftigen Jahre um-
{chließen. Das Land trägt in erfjter Linie die SHuk und Armen-
fajten, während die Kapital- und Steuerkraft jidh in den Städten
anfammelt und ftetig fteigert. So fehlen dem Lande auch die Mittel, alle
die Nufgaben auf dem Gebiete der Gefundheitsfürforge, der Wohlfahrtse
bileae, der Bilduna und Erziehung, die wir im Interelle der Bolklsvermeh-