kratischen Welle, die über fast alle Staaten im Kriege geflutet und dort,
wo die Struktur der Regierungen nicht auf sie eingestellt war, mit
revolutionärer Gewalt über diese hinweggebraust ist. Wer aber sind die
Massen, die den Ruf nach Erhaltung, Schonung und Mehrung ihrer
Kräfte als das Verlangen nach Wiederaufbau der gesamten Volkskraft
auszugeben berechtigten Anspruch erheben dürfen?
Es sind in allen Kulturländern, die am Kriege unmittelbar be—
deiligt waren oder in seine Folgen hineingezogen worden sind, die in—
dusttiellen und ländlichen Vroletarier, die Gesamtheit der Lohn—
arbeiter.
Nicht als ob damit die Bedeutung irgend einer anderen Klasse
oder Beriͤfsgruppe für den Ausgang des Krieges oder als ob das
Maß ihrer Leiden in diesen Jahren unterschätzt werden soll. Die zah—
senmäßige Uberlegenheit des Lohnproletariates ist indessen so groß.
daß jeder Wiederaufbau der Volkskraft bei ihm, bei der breiten Unter⸗
schicht der Arbeiter und Angestellten, beginnen muß. Zudem sind kaum
rgeudwo die Opfer an Blut, Körperkraft, Gesundheit und Nachkom—
menschaft größer gewesen als hier. Die Arbeiter vornehmlich haben
den Krieg geschlagen, und zwar in den Heeren aller Nationen.“ Dr.
Oswald Siein bemerkt zu diesem Gegenstande folgendes: „Die zu
Friegsbeginn mundtod gemachte politische und gewerkschaftliche Arbei—
lexinernationale erwies sich als zu schwach, dem entfesselten Sturm
die Stirne zu bieten. Doch wird sich die zur stärksten Kriegsdienst:
leistung herangezogene Arbeiterschaft bald ihrer ausschlaggebenden
Bedeutung für die nationale Verteidigung bewußt. Hand in Hand mit
dem Anschwellen der Gewerkschaften steigt der Einfluß der Arbeiter—
klasse im Staate und Wirtschaftsleben. Im dritten Kriegsjahre ent⸗
ftehen in allen kriegführenden Staaten Arbeiter- und Angestellten⸗
ausschüsse, die Vorläufer der Betriebsräte. Mit Zusicherungen der Bes⸗
sergestaltung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen nach glücklich be—
endetem Kriege wird die Arbeiterschaft in der Kriegsindustrie festge—
halten.“ (Stein, Die internationale Arbeitsorganisation, Wien, 1923,
Wiener Volksbuchhandlung.) Dr. Stephan Bauer, Generalsekretär des
internationalen Arbeitsamtes in Basel schrieb in seinem Buche „Arbei⸗
terschutz und Völkergemeinschaft“ (Zürich 1918, Verlag Orell Füßli),
„daß die während des Krieges im großen Umfange notwendig gewe—
sene Überarbeit, die gesamten Anstrengungen und Entbehrungen der
Völker während des Krieges bei den arbeitenden Massen „das Ver—
langen nicht nur nach Herstellung der Zustände vor dem Kriege, son⸗
dern nach besseren Arbeitsbedingungen“ erzeugt haben; „es ist das
Verlangen nach Arbeitsfreude und Lebensinhalt, das diese Forderun—
gen durchklingt und in zahlreichen Außerungen der englischen Erhebung
über die Gärung in der Industrie zutage tritt.“ „Die Erneuerung
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