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Vorwort.
gezogen hat, vor allem der Tätigkeit und noch mehr der
Persönlichkeit meines nun schon heimgegangenen teuren
Freundes von Zwiedineck-Südenhorst. Er war nicht bloß
ein Gelehrter, was eine leichte Sache ist; er war ein
Mann. Möchte die Nation seine „Deutsche Geschichte des
neunzehnten Jahrhunderts“ nicht vergessen und aus ihr, die
auf politischem Gebiete nicht anders geschrieben werden kann
als mit politischem Pathos, nicht bloß manch vergessene und
unterdrückte Tatsache kennen lernen, sondern vor allem den
herben Duft eines aufrechten und wahrhaften Charakters
aufnehmen, wie er unserer materiell gerichteten Zeit allein
geben kann, was ihr fehlt: große Gedanken und ein reines
Herz!
Diese Worte sind unmittelbar nach dem Tode Zwiedinecks
geschrieben worden. Jetzt zwingt mich eine weitere Nachricht,
noch bevor dieser Band in die OÖffentlichkeit tritt, von einem
zweiten Verluste zu reden. Herr Heyfelder, mein alter lieber
Verleger und Freund, der zunächst als Inhaber des Gaertnerschen
Verlages, dann, nach dessen Verkaufe, unter eigenem Namen
meiner Arbeit der freudigste Förderer gewesen ist, will sich
nun gänzlich vom Buchhandel zurückziehen. Den weiteren
Verlag hat die Weidmannsche Buchhandlung in Berlin über—
nommen.
Leipzig, 16. Januar 1907
K. Jamprecht.