Full text: Die deutschen Hypotheken-Aktien-Banken

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event, auch die sorgfältigsten Berechnungen nicht mehr zutreffen. Das, 
von den meisten Hypothekenbanken gepflegte Annuitätensystem 
ist im Prinzip zwar ganz richtig, insofern es den EigenthUmern der 
beliehenen Objekte die Gewähr bietet, im Falle pünktlicher Inne- 
haltung der vertragsmässigen Zahlungen Kündigungen des Darlehens 
nicht ausgesetzt zu sein; allein die Zins- und Amortisationsquote 
(Annuität) ist in der Kegel viel zu hoch, als dass sic aus dem 
Ucberschuss des Betriebs der betreffenden Objekte gezahlt werden 
könnte, woraus folgt, dass eigentliche Schuldentilgungen weniger 
häufig stattfinden, als man vielleicht, auf Grund des Systems, 
anzunehmen geneigt wäre. Wenn die Bodenrente 4 pCt. ist, kann 
man nicht eine 8 prozentige Annuität aus dem Ertrage einer, auch 
nur die Hälfte des Ertragswerthes umfassenden Hypothek zahlen, 
weil ja für sonstige Bedürfnisse des Besitzes auch noch etwas 
übrig bleiben muss, und häufig noch andere, hinter der Annuitäten- 
Hypothek zurückstehende Verpflichtungen vorhanden sind. Dazu 
kommt ferner in der Kegel eine mehr oder minder bedeutende 
Abschlussprovision, und zwar oft eine doppelte. Denn nicht blos 
die Bank beansprucht solche als Entgelt für ihre Informationen 
und Mühewaltungen, sondern auch der Agent, ohne dessen Ver 
mittlung viele Banken gar keine Beleihungen annehmen. Wie schwer 
die Annuitäten auf vielen Schuldnern lasten, erhellt schon aus der 
Bilanzposition mancher Hypothekenbanken „gestundete Abschluss 
provisionen“. Es scheint hiernach, als ob die Hypothekenbanken 
in Deutschland noch nicht allgemein auf der Höhe ihres volkswiith- 
schaftlichen Berufes, den Kealkredit zu erleichtern, stehen. 
Die Aktien der Kealkredit-Institute erfreuen sich durchschniftlich 
einer sehr befriedigenden Kentabilität. Ihr innerer Werth beruht 
sowohl in der zweckentsprechenden Auswahl der Hypotheken, als 
in der allgemein üblichen Ansammlung beträchtlicher Keserven; die 
Kentabilität ist gesichert durch den Ueberschuss der Hypotheken 
zinsen über die Zinsen des gegen Pfandbriefe entliehenen Kapitals 
und durch den Gewinn neuer Abschlussj)rovisionen. Die schwache 
Seite der Hypothekenbank-Aktien hingegen bildet der, fast allge 
mein bestehende Charakter derselben als nicht voll gezahlte Inte- 
limsscheine, da es Usus ist, jeweils nur soviel Aktienkapital einzu- 
01 dein, als man zur statutenmässigen Bedeckung des Pfändbrief 
umlaufs braucht, und sich durch Ausgabe eines grösseren Nominal 
betrages die Möglichkeit zur jederzeitigen Einforderung neuer
	        
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