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Achtes Buch. Zweites Wapitel.
die Dienstmannschaft mit Lehen gesättigt; sie bildet einen der
Krystallisationspunkte für die neue gesellschaftliche Bildung der
Ritter; sie wird erblich auf ihren Lehnsgütern; sie tritt im Laufe
der Stauferzeit in den gewöhnlichen Lehnsverband ein. Um das
Jahr 1200 ist sie damit der Verwaltungspraxis der Grund—
herrschaften entwachsen.
Ein Vorgang von außerordentlicher Bedeutung. Die Or—
ganisation des großgrundherrlichen Besitzes hat die grundholde
Klasse differenziert: durch höhere Thätigkeit wie näheren Zu—
sammenhang mit der Person des Grundherrn aus der gleichartigen
Masse der Grundhörigen hervorgehoben erscheinen die Dienst—
mannen als neue soziale Schicht; die Grundherrschaft wirkt
gesellschaftsbildend. Aber sie verblutet zugleich an dieser Auf—
zabe, sie verliert ihr Verwaltungspersonal und damit den großen
Rahmen ihrer wirtschaftlichen Bethätigung.
Nirgends erscheint dieser Zusammenhang deutlicher, wie
im Verfall der Meierämter.
Die grundholden Meier waren ursprünglich absolut ab—
hängige Diener des Grundherrn; sie lieferten, was der Hof
zu liefern ihnen jeweils aufgab. Allein bald wurden diese
Lieferungen fixiert: die Schwierigkeit jeder naturalwirtschaft—
lichen Budgetierung wie die Selbständigkeitsgelüste der Meier
führten gleichmäßig zu diesem Ergebnis. So betrachtete sich denn
der einzelne Meier bald als der eigentlich selbständige Verwalter
seines Fronhofs; er schien nur noch durch die regelmäßigen
Leistungen an den Herrn gebunden, diese Leistungen selbst wurden
im Sinne einer Rente oder Pacht aufgefaßt; nicht minder wie
für die Bauerngüter trat für den Fronhof der Gesichtspunkt
bloßer Rentberechtigung der Grundherren in den Vordergrund.
Diese wirtschaftliche Emanzipation erhielt durch die oben
geschilderte soziale Loslösung dann volleren Inhalt und weitere
Bedeutung. Als Lehnsmann des Grundherrn erschien der
Meier mit dem Fronhof nunmehr erblich bewidmet; ja, er
wußte sich schließlich oft, zumeist im Laufe des 18. Jahrhunderts,
auch vom Lehnsnexus zu befreien.
Aber auch wo das nicht geschah, sahen kräftige Meier sich