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Elftes Buch. Zweites Kapitel.
Geschlecht, das die geschichtlich gebildete Lagerung der deutschen
Territorien durch königlichen Erwerbstrieb erschütterte.
Ehe indessen Ludwig ganz in die Bahnen einer egoistischen
Hauspolitik einlenken konnte, trat ihm die Notwendigkeit ent—
gegen, die politische Erbschaft des alten Reichs und seines un—
mittelbaren Vorgängers aufzunehmen; und ihrer Fortführung
ist seitdem der größte Teil seiner Regierungszeit gewidmet ge—
wesen. Es handelte sich um das Papsttum und, wie unter
Heinrich VII. das Verhältnis der Kurie zum Reich schließlich
gestaltet worden war, um dessen und des Reiches Rechte in
Italien.
Die weltlichen Sorgen des Papsttums hatten in der ersten
Hälfte des Mittelalters zum guten Teile der Entwicklung eines
konkreten Kirchenstaates gegolten; wie der fromme Bruder
Salimbene von Parma es ausdrückt: wenn ein neuer Kaiser
die Krone empfängt, versuchen die Päpste gern etwas vom
Reiche abzuzwacken. So waren unter den Karlingen das
eigentliche Patrimonium Petri, Teile von Campanien und Tos—
cana, sowie das Exarchat von Ravenna und die Pentapolis (die
spätere Romagna) erworben worden!. Dazu war dann, nach
zeitweisem Verlust der Romagna, unter Heinrich III. das Gebiet
von Benevent gekommen?. Weiter hatte im Jahr 1077 die
Markgräfin Mathilde von Tuscien ihren Besitz geschenkt, freilich
ohne daß es gelang, ihn gänzlich einzuverleibens. Kraftvoll
ging darnach wiederum Innocenz II. vor; er beanspruchte mit
ganzem Recht die Romagna, mit teilweisem die Marken, grund⸗
los Spoleto“. Und er erhielt wenigstens Spoleto und Ancona —
die Romagna aber wurde 1279 von König Rudolf abgetretenb.
So erstreckte sich denn im Beginn des 14. Jahrhunderts von
dem nun freilich gespaltenen Reiche beider Sicilien, über das
die Päpste seit dem 11. Jahrhundert auf Grund früherer
S. Band IIs S. 80f. (II1.2. S. 30 f.)
S. Band 118 S. 310 GII. S. 804)
3 S. Band IIs S. 386, 885 III. 2. S. 327, 371)
Vgl. hierzu Band III S. 257, 268.
Val. dazu oben S. 32.
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