Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

7.  Kap.  Familie,  Familienleben  und  Gesetze  über  die  Familie.  117
Was  die  erfolgreiche  Organisation  der  Güterproduction  und  die  6r='p°rniß
  an  den  Ausgaben  für  den  Haushalt  anlangt,  so  finden  sich  in  der
patriarchalischen  Familie  die  Bortheile,  welche  die  Form  der  Stammfamilie
letet,  in  noch  höherem  Grade  verwirklicht.  Sie  wirkt  auch  in  noch  höherem
Ģrade  als  eine  Art  wechselseitiger  Versicherung  gegen  das  Mißgeschick,  von
em  die  einzelnen  Familienglieder  betroffen  werden  können,  läßt  den  Schwachen
verstärkten  Schutz  und  den  Charakterlosen  und  Arbeitsunlustigen  noch  bessere
Aufsicht  angedeihen.
Im  schroffsten  Gegensatz  zu  dieser  Form  des  Familienlebens  steht  die
er  festen  Organisation  ermangelnde  Familie,  von  Le  Play
Emilie  instable  benannt,  welche  in  Westeuropa  und  in  den  Bereinigten
Staaten  von  Amerika  die  Regel  bildet.  In  solchen  Familien  sind  die  Traì
  loncn  schwach.  Sie  besitzen  den  häuslichen  Herd  nicht  zu  Eigenthum  und
le  väterliche  Autorität  schwindet  mit  dem  Heranwachsen  der  Kinder  in  ihnen
vlehr  und  mehr  dahin.  Tie  Kinder  fangen  früh  an  zu  arbeiten  und  zu  verlenen,
  und  das  Gefühl  der  wechselseitigen  Verantwortlichkeit  wird  abgeschwächt.
J*  begleich  mit  dieser  Forin  des  Familienlebens  erscheint  die  patriarchalische
vmuilie  in  sehr  vortheilhaftem  Lichte.  Aber  das  christliche  Ideal  einer  innigen
Verbindung  zwischen  Mann  und  Frau,  Eltern  und  Kindern  wird  in  der
...  vlllmfamilie  leichter  erreicht.  Die  patriarchalische  Organisation  paßt  ineyr
"r  rauhe,  halbcivilisirte  Völker.  Dieselbe  setzt  eine  hochgradige  Gleichheit  der
u  turstufe,  der  Geschmacksrichtung,  der  Anschauungen  u.  s.  w.  voraus  und
^'fordert  ein  bedeutendes  Maß  von  Unterordnung  und  Ehrfurcht  vor  der
lltoritnt.  Wenn  sie  einmal  in  einem  Lande  außer  Uebung  gekommen  ist,
°  aun  sie  daselbst  nur  mit  den  größten  Schwierigkeiten  wieder  ins  Leben
erufen  werden.  Die  Stammfamilie  dagegen  läßt  sich  leicht  wieder  beleben,
* c  christlichen  Grundsätze  die  Oberhand  gewinnen  i .
şâì.  Chinesen  und  den  Hindus  beruht  das  Ueberwiegen  der  Form  der
Volke"'  "ņlîļîe  auf  andern  Anschauungen  und  Gewohnheiten  als  bei  den  christlichen
ver  rei'  ..Ş"  ñroh  auch  die  in  China  und  Indien  herrschenden  Verschiedenheiten
Wan  ^î^lôsen  Anschauungen  und  des  häuslichen  und  industriellen  Lebens  sind,  so  ist
Alle  N  ì"  bìesen  Ländern  einig  in  der  hohen  Verehrung  gegen  die  Vorfahren,
oder  ^îoņimen  eines  verstorbenen  gemeinsamen  Ahnherrn  und  besonders  eines  Vaters
gkaeii  /oşMaters  sind  in  der  Verehrung  des  Verstorbenen  wie  in  der  Hochachtung
wällt'  "och  Lebenden  einig.  Diese  Gemeinsamkeit  der  Gesinnung  ist  natürlich  ein
kin  s  Beförderungsmittel  des  Zusammenlebens  der  Verwandten.  Aber  auch  wo
in  c'°  stattfindet,  besteht  die  Verpflichtung,  armen  Verwandten  beizustehen,
er  r lncm  Umfange,  welcher  fremde  Beobachter  in  Erstaunen  setzt,  ja  in  China  bildet
ist  Hinderniß  für  die  Bildung  großer  Vermögen;  denn  je  reicher  jemand
'  1111  i°  höher  steigen  die  Ansprüche  der  Verwandten  an  denselben.
            
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