Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

HMK

Kap.

235

Das  Geld.

Kriege  hervorgerufen  wurden,  bis  in  unser  Jahrhundert  hinein  im  ganzen
da  dieselben  Ursachen  fortdauerten  und  sich  den  schon  vorhandenen  sogar
ņoch  neue,  vor  allem  die  Zunahme  der  Verwendung  von  Geldsurrogaten,  hinzu-Tesellten.
  Tie  jährliche  Gold-  und  Silberausfuhr  des  gesamten  Amerikas  nach
Europa  wurde  von  Alexander  von  Humboldt  im  Durchschnitt  für  die  Jahre  von
^00  bis  1545  auf  3  Millionen,  für  die  Periode  von  1546  bis  1600  auf
y  Millionen,  für  das  17.  Jahrhundert  auf  16,  für  die  erste  Hälfte  des  18.  Jahrhunderts ­
  auf  22 1 / 2  und  für  die  zweite  auf  über  35  Millionen  Piaster 1  ge=Ņtzt.
  Zu  Anfang  des  19.  Jahrhunderts  lieferte  Amerika  jährlich  für  circa
^2  Millionen  Mark  Gold  und  Silber 2 .  Die  Zufuhren  aus  Südamerika  erî
  ien  dann  durch  den  von  den  Kolonien  gegen  Spanien  geführten  Unabhängig-Eltskrieg
  eine  Unterbrechung;  die  Entdeckung  und  Ausbeutung  der  gewaltigen
.  °^=  und  Silbervorräthe,  die  sich  im  Westen  der  Bereinigten  Staaten  vortonbert,
  insbesondere  die  reiche  Goldproduction  Californiens,  äußerte  deshalb
lcht  die  Wirkung  für  Europa,  welche  man  hätte  erwarten  können,  weil  das  ge-^altige,
  in  schnellster  Entwicklung  begriffene  Gebiet  der  Union  selbst  sehr  be-Utende
  Geldmengen  benöthigte  und  so  einen  guten  Theil  der  dortigen  Edelmetall-,^rräthe
  absorbirte.  Von  der  Ueberproduction  an  Silber,  die  trotz  dieses  Umks

  endlich  dennoch  eintrat,  werden  wir  im  nächsten  Kapitel  zu  handeln  haben.
Ebenso  wie  diese  Metallzufuhren,  zu  denen  später  noch  solche  aus  andern

stand
Indern,  namentlich  aus  Südafrika,  hinzukamen,  währten  auch  die  Zunahme  der
Schnelligkeit  des  Geldumlaufes,  die  Vervollkommnung  der  Eommunicationskl,
  die  erst  in  diesem  Jahrhundert  ihre  großartigsten  Fortschritte  machte
•  "  ken  Höhepunkt  der  bisherigen  Entwicklung  erreichte,  und  die  übrigen  Urar
  L  die  Abnahme  des  Tauschwerthes  des  Geldes  herbeiführten,  im
rxO.  ņ  und  ganzen  fort.  Diesen  Einflüßen  wirkte  allerdings  eine  zum  Theil
svende  Zunahme  der  Bevölkerung  und  der  Güterproduction  entgegen,  und

diese
oud)

Wusste  wiederum  eine  vervielfältigte  Nachfrage  nach  Tauschmitteln,  also
b>erb  ^  Ģeld  zur  Folge  haben,  das,  wie  wir  im  nächsten  Kapitel  sehen
^  ert '  dis  zu  einem  gewissen  Grade  durch  andere  Tauschmittel  nicht  ersetzt
toeV"  ķunn.  Aber  diese  Gegenwirkungen  vermochten  das  Sinken  des  Geldes ­
  nicht  gänzlich  aufzuhalten.
^^Mun^  nimmt  vielfach  an^,  daß  sich  der  Tauschwerth  des  Metallgeldes
g  Ģìn  spanischer  Piaster  ist  gleich  ungefähr  4'/,  Mark  Neichswährung.
,  Roscher  a.  a.  O.  281  ff.
Gl  cv  G*  thun  das  z.  B.  A.  Smith,  D.  Hume  und  W.  Roscher  (a.  a.  O.  284).
^der  n  ""et  nimmt  in  seinen  am  Pariser  Institut  catholique  gehaltenen  Vorträgen
Alalia  "ische  Öekonomie  an,  daß  sich  die  Preise  im  16.  Jahrhundert  infolge  der  dalsieh^"
  Veränderungen  in  den  ursächlichen  Verhältnissen  um  300  %  gesteigert  hätten
ft zette  de  France*.  Paris,  16  février  1886).

,1.
            
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