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III. Buch. Die Vertheilung der Güter.
Zuflußbewegung von Kräften und Kapitalien Schranken zu setzen. ^ei e
Annahmen stehen aber mit den thatsächlichen Verhältnißen des Geschäft-'
lebens unserer Zeit in offenem Widerspruche. Es ist sehr schwierig, sich Ģ
die Höhe der Gewinne, welche heutzutage von den verschiedenen Arten von
Unternehmern inmitten all der Chancen und Wechselfälle des modernen wir
schaftlichen Lebens gemacht werden, zu vergewissern. Man hüllt dieselben os-
mals in das tiefste Geheimniß. Sind sie niedrig, so schweigt man darüber au-
Furcht vor Creditentziehung; sind sie dagegen hoch, so fürchtet man ^
Auftauchen von Concurrenten oder höhere Lohnforderungen der Arbeiter uñ
beobachtet aus diesen Gründen ebenfalls strenges Schweigen. Ja manchma
wissen die Unternehmer es selbst nicht einmal, wie hoch sich ihre Profite |
laufen. Viele andere sind mit ihren eigenen Angelegenheiten so sehr beschäftig,
daß sie denjenigen der übrigen Producenten keine Aufmerksamkeit schenket
So wissen denn thatsächlich die Unternehmer des einen Produktionszweigs
von den in den andern herrschenden Verhältnissen im allgemeinen wenig oder
nichts. Und lägen selbst die Vergangenheit und die Gegenwart offen i 11
Tage, so könnte man doch die Zukunft nicht mit Bestimmtheit voraussehe"'
Der Wechsel in den Productionsverhältnissen und in dem Mitbewerbe bei
verschiedenen für einen Markt arbeitenden Nationen, die Preisschwankungen
lind die Folgen von Speculationen, die Ausdehnungen und Beschränkung^
des Credits, die wirtschaftlichen Krisen, die verschiedenen durch den AuĢ
der Ernten, durch Kriege und andere politische Ereignisse geübten Eins"
und endlich auch die immer wieder auftauchenden Entdeckungen und
findungen können alle Vorausberechnungen zu Schanden machen. Unbestrei
haben die Preisschwankungen infolge von Speculationen die Profite
Unternehmer zu wahren Lottcriegewinnsten gemacht; und die Geschichte
Handelskrisen, die häufigen Fallissements, die thörichte Ausdehnung ^
Creditwesens, die ungeschickte und irrationelle Verwendung von Arbeit "
Kapital, d. h. alle die Vorgänge, auf welche wir bereits im 10. Kapitel
II. Buches hingewiesen haben, beweisen, daß ein großer Theil der GeschO
Welt nicht, wie gewisse Gelehrte vermeinen, ruhig und scharfsichtig die ^
einträglichen Unternehmungen auswählt und pflegt, sondern in blindem J
dem Reichthum nachjagt und zwischen thörichtem Optimismus und 11
triebener Schwarzseherei hin und her schwankt. Auch darf nicht vergeis
werden, daß die große Ausdehnung des heutigen Creditwesens die Unge
heit unter den Gewinnen der verschiedenen Unternehmungen eher verM^
als vermindert. Gegen diese Beweisführung läßt sich auch die Thatsache,
sich Arbeitskräfte und Kapital, von der Hoffnung auf größern Gewm"^t
leitet, häufig von einem Unternehmen einem andern zuwenden, durchaus
ins Feld führen. Eine solche Bewegung findet in der That statt, und