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gung vorübergehender Geldbedürfnisse jederzeit leicht lombar
dieren. Außerdem können die Anstalten einen großen Teil ihrer
Hypotheken, mindestens x / 10 des Bestandes, mit sechsmonatiger
Frist kündigen, da die Hypotheken regelmäßig nur auf zehn
Jahre unkündbar ausgeliehen werden und sich mangels neuer
vertraglicher Regelung nur um ein Jahr prolongieren. Faßt man
die eben gemachten Ausführungen zusammen, so kann man
sagen, daß bei kurzen Krisen die sofort greifbaren Mittel der
Lebensversicherungs-Gesellschaften menschlichem Ermessen;
nach allen nur denkbaren Ansprüchen genügen, daß bei einem
längeren Andauern der Krise sich den Gesellschaften in ihren
Hypothekenanlagen aber neue Einnahmequellen öffnen, so daß
auch dann die Deckung außerordentlich großen Kapitalbedarfs
sichergestellt ist.
Kann bei den Lebensversicherungsgesellschaften von
einem Mangel an Liquidität keine Rede sein, so ist hiervon
ebensowenig bei den Versicherungsgesellschaften anderer
Zweige zu sprechen, wie die nachstehende Statistik für das
Jahr 1910 1 ) zeigt.
Zahl und Vers.-Zweig
der Gesellschaften
Kapital
anlagen
insgesamt
Wertpapiere
Bankguthab.
u.Guth.b.and.
Vers-Untern.
Kassen
bestand
9 Unfall- und Haft-
pflicht'Vers.-Ges.
55 Feuer-Vers.-Ges.
10 Glas-Vers.'Ges.
17 Hagel-Vers.-Ges.
29 Vieh-Vers.-Ges.
25 Rück-Vers.'Ges.
177 168 754
378 253 871
10 400 519
15 463 326
3 768 845
177 296 800
35327 572
125 913 657
1 237 923
10 746 649
2 874551
126 366098
17 963 017
46 763 534
1 315 899
2 892 940
501 264
100 013 728
383 873
1 548 783
208 978
196 656
148 895
422865
Entsprechend den größeren Ansprüchen, die in diesen Ver
sicherungszweigen an die Liquidität der Kapitalanlagen gestellt
werden müssen, bestehen erhebliche Teile derselben aus erst
klassigen Wertpapieren, durch deren Verkauf jederzeit sofort
Deckungsmittel beschafft werden können. Die Wertpapiere
machen bei den
') Versicherungsstatistik für 1910 (Berlin, 1912, Guttentag).