Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

H

Alt-Rigas  gewerbliches  Leben.

deren  Einnahmen  nur  leider  einstweilen  nirgends  nachgewiesen  sind.
Am  Ausgange  des  vierzehnten  Jahrhunderts  besass  die  Stadt  zwei,
einen  vor  der  Kalkpforte  und  den  zweiten  vor  der  Sandpforte.
Die  hier  thätigen  Kalkbrenner,  deren  Zahl  kaum  sehr  gross  gewesen
sein  kann,  wird  man  als  im  städtischen  Dienste  befindliche  Personen
ansehen  müssen,  falls  sie  nicht  selbständige  Pächter  waren,  worüber
sich  keine  Nachrichten  erhalten  zu  haben  scheinen.  Im  i6.  Jahrhundert ­
  lässt  die  Stadt  den  Kalk  auf  ihre  Kosten  bereiten  und
treibt  mit  diesem  Produkt  einen  nicht  unbedeutenden  Handel
Ziegel  wurden  in  Riga  offenbar  schon  früh  gebrannt;  jedenfalls
werden  Brennereien  1226  erwähnt,  indem  der  Bischof  Wilhelm
von  Modena  entschied,  dass  es  innerhalb  der  Stadtmark  sowohl
Geistlichen  als  Laien  frei  stünde  Ziegel  zu  brennen.  Indess  wird
von  Ziegelhütten,  die  Privatpersonen  angelegt  hätten,  nichts  gemeldet. ­
  Das  städtische  Ziegelhaus  fdomus  lateratontm)  ausserhalb
der  Stadt,  dicht  neben  dem  Holme,  wurde  1338  an  einen  gewissen
Petrus  auf  10  Jahre  gegen  eine  jährliche  Ablieferung  von  8000  Ziegeln
verpachtet^.  Zu  seiner  Verwaltung  waren  zwei  Rathsmitglieder,
die  sogen.  Ziegelherren  ausersehen,  und  die  nothwendigen  baulichen ­
  Reparaturen  wurden  aus  der  Kämmereikasse  bestritten  \
Eine  zweite  Ziegelhütte  war  im  Besitze  des  Ordens;  sie  wird  uns
1436  als  des  „Ordms  tegelhus  by  des  hHesskumpthurshore'’^  genannt^. ­
  Ähnlich  findet  sich  in  Hamburg  ein  Kalkhaus  im  Besitze
der  Stadt,  die  sich  den  Handel  mit  Kalk  Vorbehalten  hat  und  eine
kleine  Einnahme  daraus  zieht  ^  Auch  Ziegelhäuser  kommen  dort
1293  in  das  Eigenthum  der  Stadt  und  scheinen  von  bedeutend
grösserem  Umfange  als  in  Riga  gewesen  zu  sein,  da  eines  derselben
gegen  eine  jährliche  Leistung  von  icxxx)  Ziegelsteinen  und  kxxx)
Dachpfannen  verpachtet  war*'.  Ein  Bauhof,  d.  h.  ein  Platz  zur
\'^erarbeitung  des  Holzes  zu  Balken,  Ständern,  Dielen  u.  dgl.,  auf
den  man  in  Hamburg  schon  im  dreizehnten  Jahrhundert  stösst  \
zeigt  sich  in  Riga  erst  1569.  Er  befand  sich  an  der  Düna  auf  der

^  Mettigs  handschriftliche  Auszüge  aus  den  rigischen  Käinmercirechnungen
V.  1555  u.  1556.
*  Napiersky,  Lib.  red.  I,  194.
3  L.-R.-C.  Urk.  4,  Nr.  1954,  S.  867.
4  Napiersky,  Erbeb.  I,  718.
3  Koppmann,  a.  a.  O.  i  S.  LXVII.
6  Koppmann,  a.  a.  O.  i  S.  LXXXIV.
7  Koppmann,  a.  a.  O.  1  S.  LXIV.
            
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