Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

Alt  Rigas  gewerbliches  Leben.

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Lastadie  Die  curia  lignorum  civitatis,  die  gegen  Ende  des
vierzehnten  Jahrhunderts  vorkommt  *,  kann  freilich  schon  diesen
Zwecken  gedient  haben.  Denn  einen  städtischen  Holzhof,  auf  dem
Brennholz  zum  Verkauf  kam,  gab  es  in  jener  Zeit  wohl  kaum.
Unter  der  Lastadie  begriff  man  sowohl  den  Platz,  auf  dem  Schiffe
gebaut  wurden,  —  Schiffszimmerwerft  —  als  auch  einen  Platz  zum
Einnehmen  oder  Löschen  des  Ballasts*.  Welche  Bedeutung  sie  in
Eiga  hatte,  lässt  sich  nicht  sagen.  Sie  stellt  sich  als  ein  an  der
Düna  befindlicher  Platz  dar,  auf  dem  verschiedene  dem  Handel
dienende  Baulichkeiten  vorhanden  waren  und  an  den  sich  Gärten
schlossen.  Lastadien  im  Sinne  von  Schiffswerften  gab  es  in  Elbing^
und  Lübeck"  gleichfalls,  während  man  in  Hamburg  diesen  Ausdruck
nicht  kannte.  Der  Schiffbauerbrook  daselbst  wird  in  einer  lateinischen ­
  Urkunde  als  j,paltis,  ubi  7iaves  constrMM7ttur“  bezeichnet®.
In  Elbing  unterschied  man  übrigens  eine  Schiffslastadie  und  eine
T  heerlastadie,  letztere  soviel  wie  Theerhof  oder  Theerplatz,  d.  h.
fier  Ort,  wo  Theer  feilgeboten  wurde.
Ini  Zusammenhänge  mit  der  Lastadie  stand  die  Reeperbahn,
sofern  auf  ihr  u.  A.  das  den  Schiffen  unentbehrliche  Tauwerk  hergestellt ­
  wurde.  Sie  wird  zuerst  im  Ausgange  des  vierzehnten  Jahrhunderts ­
  genannt.  Damals  befand  sie  sich  hinter  dem  Marstalle,
etwa  in  der  heutigen  Marstallstrasse,  und  brachte  der  Stadt  ursprünglich ­
  fünf,  später  sechs  Ferdinge  jährlicher  Pacht  ein.  Seit  dem  Ende
fies  fünfzehnten  Jahrhunderts,  wenn  nicht  schon  früher,  war  sie
verlegt.  Im  zweiten  Erbebuch  wird  sie  als  in  der  Nähe  der  Kalkbrücke, ­
  am  Rising,  am  Kälbergraben  u.  s.  w.  befindlich  angegeben.
Natürlich  hatte  sie  eine  ansehnliche  Länge,  so  dass  zu  ihrer  Bestim-'^ftug
  mehrere  Punkte  gewählt  werden  konnten.  Vermuthlich
erstreckte  sie  sich  von  der  Kalkbrücke  bei  der  Kalkpforte  nach
techts  und  links.  Da  in  späterer  Zeit  städtische  Einnahmen  aus
nicht  nachweisbar  sind,  ist  sie  möglicherweise  in  den  Besitz  des
’  Napiersky,  Rrbeb.  II,  1458.
*  Napiersky,  Lib.  red.  II,  589.
Lie  Bezeichnung  des  Ballasts  selbst  als  „Lastadie“,  wie  in  Wismar,  mag  damit
Zusammenhängen.  Die  Wismarsche  Bürgersprachen  von  1345,  1347,  :34*  gebieten:
Muod  nullus  proiceat  lastadien  in  portum  sub  pena  corj)oris  et  reriim  suarum,  d.  h.
ällast  durfte  nicht  in  den  Hafen,  in  das  Fahrwasser  geworfen  werden.  Meklen-“•■gisches
  Urkundenbuch  9,  10,  Nr.  6524,  6762,  6851.
I  Appen,  Rlbinger  Antiquitäten,  S.  217.
*  Wehrmann,  a.  a.  O.,  S.  405.
®  Koppmann,  a.  a.,  1.  S.  LXXVIIl.
            
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