Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

28

Alt-Rigas  gewerbliches  Leben.

ZU  Beginn  des  sechszehnten  Jahrhunderts  warf  die  Pacht  bedeutend
mehr  ab.  ^  Denn  ,,des  rades  iviiikcller“  wurde  für  i8  Mark,  seit  1522
für  20  Mark  jährlich  verpachtet.  Die  Pächter  in  dieser  Periode
waren  nach  einander  Herr  Johann  Camphussen,  Certh  Symons,
Peter  von  Meheym  (1517—1522)  und  Goswyn  Dyckmann  k  Der
Weinkeller  verzapfte  übrigens  Vauch  Meth;  wenigstens  wird  1394
und  1428  für  ihn  Honig  eingekauft  k  An  dem  Weinhause  befanden
sich  Huden®,  die  getrennt  vermiethet  wurden.
Ein  zweiter  Weinkeller  ist  im  Hause  der  Schwarzenhäuptergesellschaft
  nachweisbar:  „linder  dem  nigen  /mss  to  der  ivage
worth“^.  Auch  er  gehörte  der  Stadt,  und  seine  Anlegung  entsprach ­
  wohl  dem  gesteigerten  Hedürfniss  einer  vermehrten  Bevölkerung ­
  nach  Wein.  Er  wurde  zu  Beginn  des  sechszehnten  Jahrhunderts ­
  an  Johann  van  Vechten  für  20  Mark  verpachtet;  später
übernahm  ihn  Gerth  Symons,  der  gleichzeitig  den  ersten  Weinkeller
bewirthschaftete,  und  dessen  Nachfolger  wurde  Hans  Spenghusen
der  Junge,  der  aber  1522  24  Mark  Pacht  entrichten  musste.  Zu
diesem  Keller  gehörte  eine  Bude,  die  Spenghusen  gleichfalls  miethete,
so  dass  sich  daraus  vielleicht  die  höhere  Pacht  erklärt.
In  Riga  hatte  der  Rath  nicht,  wie  es  in  Hamburg®,  Lübeck®,
Wismar’  und  Elbing*  der  Fall  war,  aus  dem  Weinschank  ein  Monopol ­
  gemacht.  Vielmehr  zeigen  uns  die  im  vierzehnten  Jahrhundert
erhobenen  Abgaben  von  je  einem  Passe  Wein,  die  sich  zweifellos
auf  den  Ausschank  beziehen  (si  per  stopas  venditur)^^  dass  Jedem
nach  Belieben  freistand,  natürlich  unter  der  Voraussetzung,  dass
die  obrigkeitliche  Erlaubniss  eingeholt  war,  einen  Weinhandel  zu
eröffnen.  Der  Rath  wird  demnach  zunächst  für  den  eigenen  Bedarf
an  Wein,  wie  er  durch  Ehrengeschenke  an  durchreisende  Fremde,
Festgaben  u.  s.  w.  veranlasst  war,  sein  Lager  ins  Leben  gerufen
haben.  In  dem  Glauben,  dass  die  unter  seiner  Verwaltung  stehenden
Weine  die  private  Konkurrenz  aushalten  könnten,  wird  der  Aus-1

  Napiersky,  Lib.  red.  III,  87,  99.
2  L.-E.-C.  Urk.  4,  Nr.  1593,  Art.  2,  5.
3  Napiersky,  Lib.  red.  II,  79,  117,  160.
4  Napiersky,  Lib.  red.  III,  65.
®  Koppmann,  a.  a.  O.,  1  S.  LXX.
ß  Wehrmann,  der  lübeckische  Rathsweinkeller  in  Zeitschr.  d.  Ver.  f.  lübeck.
Gesch.  2,  S.  75—128.
’  Crull,  in  Mecklenb.  Jahrb.  33,  S.  53.
*  Toeppen,  a.  a.  O.,  S.  203.
Napiersky,  Lib.  red.  II,  462.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.