Full text: John Pierpont Morgan, der Weltbankier

der infolge der Störungen im Eisenbahnverkehr durch 
den Schneesturm nicht hatte nach Washington kommen 
können, nachträglich unterschrieb — sah die Bildung 
eines Konsortiums unter der Führung von Morgan und 
Belmont vor, das die Verschreibungen übernehmen 
und das Gold liefern sollte. Die Goldverschiffungen 
fielen sofort von mehreren Millionen täglich auf 30 
bis 40000 Dollar. Die Krise war überwunden, der 
nationale Kredit gerettet. 
Kaum war jedoch die Gefahr vorüber, als auch 
schon ein Sturm heftiger Kritik über die Mittel, mit 
denen die Rettung bewerkstelligt worden war, los- 
brach, Es wurde gesagt, der Goldlieferungsvertrag sei 
schon eine ordentliche „Zitronenpresse”. Das Ge- 
heimnis, in das die ganze Transaktion gehüllt war, er- 
regte Argwohn., Da der Kurs der für den Goldkauf 
ausgegebenen Verschreibungen sofort stieg, schienen 
manche der Behauptungen nicht ganz ungerechtfertigt 
zu sein. Die Kritiker hatten zwar recht, wenn sie 
sagten, eine derartige Verhandlung zwischen der Re- 
gierung und einer Anzahl Privatbanken sei nicht nur 
von ideellen Überlegungen inspiriert gewesen, aber 
sie waren ungerecht in ihren Angriffen auf die Beweg- 
gründe und Ziele der Beteiligten. Besonders ungerecht 
war, daß sie nicht wahrhaben wollten, daß Morgan 
nicht nur Verluste für sich und seine Freunde, son- 
dern auch für seine finanziellen Verbündeten riskierte, 
als er die Garantie übernahm, die Goldausfuhr zum 
Stocken zu bringen. Und wenn sie hinterher darlegten, 
was man alles hätte tun können, ohne unparteiisch 
den Zwang der außerordentlich ernsten Lage zu be- 
tonen, so war das leeres Gerede. 
Kurz zusammengefaßt bewirkte der Vertrag {fol- 
gendes: die Regierung erhielt einen Partner, der sich 
bereit erklärte. ihr Gold zu liefern. und zwar nicht 
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