Full text: Das Viehversicherungswesen im Deutschen Reich

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entschädigt wird, so werden sich die großen Gesellschaften wahrschein 
lich beschränken auf den Ersatz der Differenz zwischen dem Werthe 
der gefallenen und getödteten Thiere und der von dem Staate ge 
zahlten Entschädigung. (Greifswalder Pferdeversicherungsvereiu.) 
Ferner werden alle vom Staate nicht zu ersetzenden Seuchenverlufte 
im Viehstande der Großgrundbesitzer und in der Rückversicherung 
von Ortsvereinen Obsekte der großen Gesellschaften bleiben. Voraus 
sichtlich wird in einiger Zeit die Versicherung von tuberkulösem Rind 
vieh dem Privatviehversicherungswesen zufallen; denn von allen Seiten 
mehren sich die Ansichten, daß die Tuberkulose des Rindviehs auch 
auf den Menschen übertragbar sei. Wird sanitätspolizeilich der Ge 
nuß tuberkulösen Fleisches und der Milch tuberkulöser Kühe untersagt, 
so werden die Landwirthe dieses Risiko durch das Institut der Ver 
sicherung von sich abzuwälzen suchen. Ferner werden einzelne Theile 
der Versicherung, wie Trichinen und Finnen und die Transportver 
sicherung von Vieh mit Vortheil Gegenstand der Privatindustrie 
bleiben. 
Im Allgemeinen scheint dem Viehversicherungswesen in Deutsch 
land ein gutes Prognostikon gestellt werden zu können. In Folge 
der Tendenz des Freihandels und des Eisenbahndifferentialtarifs 
werden wir mit Brotfrucht hinlänglich aus Rußland, Polen, Galizien 
versorgt. Dieser Concurren; ist die deutsche Landwirthschafl nicht 
gewachsen. Es wird daher im Allgemeinen ein Uebergang zur inten 
siven Viehzucht stattfinden, deren Produkte gutes Mastvieh, frische 
Milch und Butter nicht weit transportirt werden können. Es wird 
ein größerer Theil des Kapitals der Landwirthschaft im Viehstande 
angelegt werden und somit das Bedürfniß der Viehversicherung noch 
mehr hervortreten. Mit dem wachsenden Bedürfnisse werden sich 
aber auch Mittel und Wege finden, die diesem Versicherungswesen 
noch anhaftenden Mängel und Schattenseiten zu entfernen. 
Es wird sich der volkswirthschaftliche Nutzen des Viehversiche 
rungswesens nicht nur direkt in der Verminderung und Beschränkung 
einer der gefährlichsten Verarmungsursachen geltend machen, sondern 
auch indirekt in der Hebung sowohl des Personal- wie des Realkre 
dits der Landwirthschaft. 
Druck von C. W. Vollrath in Leipzig.
	        
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