671)] Der kaufmännische Zinsfuß; die Ursachen seiner Höhe. 213
wollen; es handelt sich um gewisse Geschäfte für ganz kurze Zeit. In der Epoche der
Krisis oder kurz vor der Krisfis steigt der Report leicht auf das doppelte und vierfache
des gewöhnlichen Bankzinses.
Das Report- und Deportgeschäft ist ein bankmäßiges Kreditgeschäft, durch das
der Bankier Zinsen und Kommissionsgebühren verdient; der Bankier beeinflußt durch
die Zinsenhöhe die Spekulation, steigert durch sie das Börsengeschäft des großen
Publikums, das eigentlich nicht die Mittel zur Spekulation hat. Durch zu billigen
Reportzinsfuß erwirkt der Bankier den Anschein des Kapitalüberflusses, durch starke
Erhöhungen bedrückt er die wirtschaftlich Schwachen, ja vernichtet einzelne. Große
Ausdehnung dieser Geschäftsart wird daher mit Recht als eine ungünstige Thätigkeit
der Banken betrachtet.
Überall sind aber die anderen Arten des Bankkredits die wichtigeren: der Wechsel-,
Lombard-, Buchkredit; diese giebt der Bankier seinen gewöhnlichen geschäftsmäßigen
Kreditkunden, dem Kaufmann, dem Fabrikanten, dem Landwirt, kurz Leuten, die des
Kredites für ihre Geschäfte bedürfen.
Für diese drei Arten der Geschäfte wird der Zinsfuß meist auf ähnlicher Höhe
sich halten; eine große Differenz ist nicht möglich, weil sonst die Nachfrage nach der
billigeren Kreditart rasch zunehmen und Ausgleichung herbeiführen würde. Bei den
gewöhnlichen Erörterungen über den kaufmännischen Zinsfuß hat man stets den Wechsel—
kredit im Auge, der die führende Rolle hat. Er wird Diskont genannt, weil er als
Abzug vom gekauften Wechsel berechnet wird: der Bankier, der einen Wechsel von
1000 Mk. kauft und 40/0 Zins (Diskont) rechnet, bezahlt 990, wenn er in drei
Monaten fällig ist, 980, wenn er in 6, 960, wenn er in 12 Monaten zahlbar ist.
Man spricht von 49/0, obwohl 40 Mk. Zinsen für 960 Mk. Kapital etwas mehr aus—
machen würden. Notiert wird der Diskont stets als Jahreszins, während die meisten
Wechsel nur 128 Monate laufen.
Der jeweilige Wechseldiskont ist so wenig wie der jeweilige landesübliche
Zinsfuß ein ganz einheitlicher; aber er hat natürlich die Tendenz zur Übereinstimmung.
Je größer und vornehmer eine Bank ist, desto niedrigeren Diskont pflegt sie zu fordern,
und sie kann es, weil sie ihre Depositen nicht oder geringer verzinst. In den Ländern
mit großen Centralbanken hat sich mehr und mehr die Sitte herausgebildet, daß die
etzteren jeweilig bekannt machen, zu welchem Zinsfuß sie diskontieren. Doch halten
sie nicht alle an diesem Satze fest; sie fordern je nach der Marktlage und je nach den
stunden teils elwas mehr, keils etwas weniger.
Neben dieser zur Verdffentlichung gelangenden Diskontrate der Centralnotenbanken
wird an den Boͤrsen ein sogenannter Privatdiskont notiert, dessen Höhe sich in
reier Konkurrenz des Marktes, der Kapitaldarleiher und Kapitalnachfrager bildet. Dieser
Satz wird aber nur auf die erstklassigen Wechsel angewendet, bei denen nach mensch—
lichem. Ermeffen jedes Risiko ausgeschlossen ist; thatfächlich kommen hierfür in der
auptsa che nur Papiere mit der Unterschrist eines erfttlaffigen Bankinstitutes in Betracht.
Man wird an dieser Stelle, wo auf die feineren Zusammenhänge nicht eingegangen
eden kann, sagen dürfen, der Privatdiskont stellt einen kurzfristigen, reinen Geld⸗
lapitalzins dar, in dem keine Risikoprämie enthalten ist. Er bleibt deshalb stets oder
fast stets mehr oder weniger erheblich unter dem Satz der Centralbanken zurück; mehrere
der Centralbanken gehen nicht unter 20,0, während der Privatdiskont der Vörse bis
auf 22, ja 8/80/0 sinken kann. Steht Bankrate und Privatdiskont sehr nahe oder gleich,
— ist übermäßiger Andrang zur Centralbank; ist die Differenz groß, so findet das
egenteil statt. Die Centralbank vergrößert die Differenz durch Erhöhung ihrer Rate,
venn fie ihre Kapitalvorräte schonen will, sie verringert selbige, wenn das nicht er—
Drderlich ist. Diese beiden veröffentlichten Diskontsätze bilden die Normen, nach denen
d der Zins der großen Masse sonstiger Wechseldiskontierungen und auch anderer
—— orientiert. Die ersten Industrie- und Handelshäuser verzinsen ihre
echsel eiwas über Privatdiskont, alle anderen Papiere werden so und so viel Prozent
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er oder über Bankdiskont berechnet.