Wirtschaftlichkeit in der Konsumtion.
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§ 3
als ein Schuldnerland einen Teil seiner Kaufkraft als Zinsen abgibt, ein Gläubigerland
sie durch den Zinsenbezug vom Auslande verstärkt. Ferner kann (in der Verkehrs
wirtschaft wie in der Eigenwirtschaft) vom aufgesparten Gütervorrat einer voran
gehenden Wirtschaftsperiode gezehrt werden, über die Produktion und Kaufkraft
der laufenden Wirtschaftsperiode hinaus; andererseits kann auch ein Teil der laufen
den Produktion, unkonsumiert, den Gütervorrat vermehren, um künftiger Konsum
tion oder Produktion zu dienen; diese „Ersparnis“, um deren Betrag sich die gegen
wärtige Konsumtion vermindert, wird um so größer sein, je reichlicher der Augen
blicksbedarf der Konsumenten schon gedeckt, je mehr ihr Zukunftssinn entwickelt
ist, je sicherer und rentabler *) die Ersparnisse plaziert werden können. Ob nun
diese Zukunftsfürsorge in Form der Aufsammlung von Vorräten oder (privatwirt
schaftlich) durch Geldersparnisse erfolgt, in beiden Fällen bewirkt sie einen Auf
schub der Konsumtion, ihre vorläufige Einschränkung (zum Teil bei gleich
zeitiger Ausdehnung der technischen Quasi-Konsumtion). — Mit der Kreditwirt
schaft beginnt für den einzelnen Konsumenten wie für das Volk die gefährliche Mög
lichkeit, über die Kaufkraft des Einkommens und Vermögens hinaus von den volks
wirtschaftlichen oder weltwirtschaftlichen Vorräten auf Kredit zu konsumieren.
In der Verkehrswirtschaft ist der Bedarf durch die verfügbare Kaufkraft nicht
nur im ganzen nach oben begrenzt, sondern auch zwischen den Konsumenten abge
stuft, auch wenn die Bedürfnisse der Konsumenten gleich sind. So scheidet sich die
Bedarfsgröße von der Bedürfnisstärke. Bedarf ist die Summe
der von Kaufkraft unterstützten Bedürfnisse. In einer aus Reich und Arm ge
mischten Bevölkerung mit ungleichem Einkommen, aber gleichen Bedürfnissen
werden daher durch die Deckung des kaufkräftigen Bedarfs die Bedürfnisse der ein
zelnen Konsumenten ungleich befriedigt.
Konsumenten sind alle Menschen; also außer dem arbeitstätigen Teil
der Bevölkerung die Rentner, die Arbeitslosen und die Arbeitsunfähigen (Kinder,
Kranke, Greise): eine erhebliche Quote der Gesamtheit, besonders in Gläubiger
ländern mit starker Rentnerbevölkerung und in der Großstadt, dem beliebten Stand
orte der Konsumtion von Pachtrenten (Absentismus der Verpächter) und von Zinsen.
Soweit die Menschen nicht über eine Kaufkraft aus eigenem Erwerbe verfügen, wird
ihnen die Konsumtionsmöglichkeit durch Alimentationspflicht oder Wohltätigkeit
vermittelt.
Es kann demnach zwischen Produzenten und Konsumenten ein Interessengegen
satz aufkommen, weil nicht alle Konsumenten zugleich Produzenten sind, zumal
im modernen Gläubiger- und Rentnerstaate. Insbesondere ist der reine Konsument
geborener Freihändler.
§ 3. Wirtschaftlichkeit in der Konsumtion.
Wenn wir im Bedarfe der Konsumtion einen Ausgangspunkt der Volkswirt
schaftslehre sehen, so ist es doch nicht Aufgabe dieses Abschnitts, die Fäden im
einzelnen zu verfolgen, die von ihm ausgehend die Produktion in ihrer Richtung,
ihrem Standort, ihrer Betriebsgröße, ihren Schwankungen und ihrer Krisenge
fährlichkeit determinieren. Diese Aufgabe ist andern Abschnitten dieses Werks
x ) Daß steigender Zinsfuß die Sparquote vergrößert, ist wohl unbestritten. Mitunter wird
aber auch behauptet, sinkender Zinsfuß wirke ebenso, weil die an eine gewisse Zinseneinnahme
gewöhnten Kapitalisten den Zinsverlust einbringen möchten. Dann wäre jede Schwankung
des Zinsfußes, nach oben oder nach unten, dem Sparen förderlich, seine Stabilität schädlich.
Allein die Psychologie der Kapitalisten ist komplizierter als diese Formel. Mögen manche
Kapitalisten bei sinkendem Zinsfuß um so mehr sparen, so werden andre von einer gewissen
Grenze des Zinsfußes an lieber ihren Arbeitsverdienst steigern oder im Maße der Zinsenein
buße ihre Konsumtion einschränken oder ihre Kinderzahl beschränken, oder endlich weniger
sparen; für die nachwachsende Generation der Kapitalisten vollends wird die Höhe des frü
heren Zinsertrages kein Gesichtspunkt mehr sein. (Aehnlich J. Wolf, Nationalökonomie
als exakte Wissenschaft, 1908, S. 183.)