fullscreen: Neueste Zeit (Abt. 3)

10 Vierundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. 
gegen den trockenen Intellektualismus der Aufklärung besonders 
stark, so wunderlich sich auch gelegentlich Aufklärung und Musik, 
z. B. in Mozarts „Zauberflöte“, durchdrangen; denn eben auf 
hrem Gebiete blieben erregtere und ruhigere Momente des 
neuen Seelenlebens untrennbar, waren naive und sentimentale 
Strömungen, waren Empfindsamkeit und Klassizismus aufs 
innigste in Eins verknüpft. 
Fassen wir jetzt zusammen, so ergibt sich: das neue Zeit— 
alter war in seinen Anfängen bis zum Schluß des 18. Jahr⸗ 
hunderts nicht bloß besonders spiritualistisch, es war auch be⸗ 
fonders empfindungsreich: fern stand es bis zu den Freiheits⸗ 
kriegen der Massivität politischer Begeisterung und kriegerischen 
Handelns, fern bis um 1830 der brutalen Ingerenz von wirt⸗ 
schaftlichem Gewinn und Vorteil, fern bis zum Ausgange fast 
seiner ersten Periode starken sozialen Kämpfen. 
Dabei hatte es zwar, trotz seines Empfindungsreichtums, 
mmer und immer wieder an der Gefahr kultursatter Ver— 
ständlichkeit zu leiden — ständig drängte sich dies Element her⸗ 
vor, wenn es auch erst mit der notwendigen Intellektualisierung 
der neuen Kultur nach Klassizismus und Romantik siegte —: 
indes noch wurde dies Element bis weit über die Wende des 
18. Jahrhunderts hinaus auf dem charakteristischen Wege einer 
pekulativen Mystik bewältigt. 
In all diesen besonderen Zugen waren nun diese An⸗ 
fänge der ersten subjektivistischen Periode denen der zweiten 
entgegengesetzt. Dennoch treffen wir dabei noch nicht auf die 
tiefsten Unterschiede beider Perioden. Diese erhellen vielmehr, 
nsoweit die Perioden überhaupt vergleichbar sind — was 
natürlich auf dem Gebiete der Formentwicklung ihrer speziellen 
Naturalismen und Idealismen nicht der Fall ist, denn durch 
diese unterscheiden sie sich ja eben fundamental — am besten 
aus den für jede Periode besonderen Außerungen, welche an die 
Grundvorgänge der psychischen Mechanik anknüpfen. Da ist 
denn beiden Perioden, ähnlich wie den Kulturzeitaltern über⸗ 
haupt, in ihrem Anfange gemeinsam ein starker Andrang neuer 
Heige, Empfindungen, Vorstellungen und infolgedessen eine
	        
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